Schlagwort-Archive: Kunst

R.I.P. Louise Bourgeois

Der Tod der alten Dame fünf Wochen nach der Vernissage ist unter PR-Aspekten vermutlich nicht das Schlimmste, was den Charlottenburger Ausstellungsmachern passieren konnte. Louise Bourgeois ist am 31. Mai 2010 in New York mit 98 Jahren gestorben. Ein großer Verlust.

Als sehr junge, aufgeweckte Kunstgeschichtsstudentin schleppte ich meinen damaligen Liebhaber – eine Fernbeziehung in Frankfurt – 1989 in den örtlichen Kunstverein, wo Louise Bourgeois‚ erste große Retrospektive in Europa gezeigt wurde. Wir waren frisch verliebt und sehr verwirrt. Weiterlesen

Blechens Lichtblick im Wintertunnel

Dieser Winter, der kein Ende findet und uns heute erneut mit Schnee versorgte, nervt. Mich. Als Radfahrerin, die sich bei den Straßenverhältnissen, die zur Zeit in Hamburg herrschen, nur ungern auf’s Fahrrad traut. Wo ich sonst von kühler Unerschrockenheit geprägt bin, was Hamburgs Radwege angeht. Dieses unkontrollierbare Schlittern auf vereisten Spurrillen und unsichtbaren Buckelpisten jedoch, zwischen gefrorenem Schneematsch und Neuschnee oder das Ausweichen auf Straßen, auf denen die  Autos unvorhersehbar herumrutschen, erscheint nur Nahtoderfahrungssuchenden eine gute Wahl zu sein.

Ein Ausflug in die Hamburger Kunsthalle, am letzten Tag der Ausstellung von Carl Blechens Amalfi-Skizzenbuch, war eine perfekte Wahl, um meine Laune aufzuhellen. Die Skizzen entstanden in acht Tagen, die Blechen 1829 während seiner Italien-Reise in Amalfi verbrachte.

Gemälde, klassische wie moderne, sehe ich mir schon sehr gerne an. Aber im Normalfall mache ich einen weiten Bogen um Skizzenbücher und -Blätter des 19. Jahrhunderts. Das hat für mich vielleicht unter Forschungsaspekten einen nachvollziehbaren Reiz, langweilt mich als Besucherin aber normaler Weise bis hin zum Wachkoma.

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Pling Pling // Flanieren in Pop

Eyecandy, pure Farbpigmente, die die Zapfen der Sehnerven bis auf Äußerste reizen, ein perfekter Kontrast zum nieseligen Grau des Hamburger Novembers:

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Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett: Flanierend durchquerten die Besucher im Zickzack sechs quadratische Räume, die vom Boden bis zur Decke hintereinander unterschiedlich monochrom  gestrichen sind.
Pur und reduziert bis auf je einen Bildschirm auf dem – dieselben Farben im Wechsel zu sehen sind.

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Singing in a Box // Candice Breitz

Eingang der Temporären Kunsthalle Berlin

Der Kultur-Redaktion des SPIEGELS ist es zum Glück nicht gelungen, mich vom Besuch der Temporären Kunsthalle in Berlin abzuhalten: sollen doch die drei Videoinstallationen „Inner+Outer Space“ von Candice Breitz bereits „schon in Mailand, Oldenburg und Hannover und sogar in London zu sehen gewesen“ sein.*

Tja. Für den globetrottenden Kunst-Jet-Set ist es natürlich schon hart, dass die Künstlerin zur Eröffnung der Temporären Kunsthalle noch nicht ihr neuestes Werk „Him“ zeigt – eine Dialog-Porträt-Videoarbeit mit 23 verschiedenen Rollen Jack Nicholsons aus vierzig Jahren.

Nicholson wird ab dem 28. November 2008 sicher auch klasse, aber ich bin in diesem Fall ganz ehrlich sehr dankbar, dass ich eher unvermutet zu einem der unterhaltsamsten Kunstgenüsse der letzten Zeit kam. Weiterlesen

Freiluftige Musenküsse: Wanas Slott in Südschweden

Einer meiner nicht mit mir groß gewordenen Kleinmädchen-Träume war der, eines Tages einen richtigen Zauberwald zu finden.

Nicht so einen “Märchenwald”, wie ich ihn als Kind häufiger mit meinem Vater aufsuchte, in dem entlang eines vorgegebenen Weges da und dort lebensgroße Laubsägefiguren aus dem Grimmschen Fundus herumstanden.

Tollende Trolle in Wanas

Sondern einen verzauberten Wald, im dem ich auf verschlungenen Pfaden lauter Schätze entdecken kann. Im dem es Pyramiden und Labyrinthe gibt, unendlich hohe Bäume, an denen Schaukeln hängen; die Erklimmbaren davon an Seilen, die gut zehn Meter von den Ästen herabhängen. Andere schweben unerreichbar in lichter Höhe. Es lassen sich mitten im Wald einsame Bänke finden, die – kaum Platz genommen – wie von Geisterhand anfangen zu wackeln. Weiterlesen

Zur kulturellen Landpartie ins Wendland

Das Wendland ist in Post-Castor-Transport-Zeiten auch nicht mehr ganz das, was es damals noch war. Heute laufen hier echte Sensen-Männer herum, allerdings ganz untypisch eher Anfang dreißig und von athletischer Figur: Das landwirtschaftliche Wetzen, Dengeln und Schnittern braucht Kraft. Gleichzeitig ist zwei Dörfer weiter ein junger Bauer zu sehen, der mit einer Digitalkamera Aufnahmen seines Traktoren herstellt. Das Ergebnis wird vermutlich noch am selben Abend bei Ebay zu finden sein.

Apfelblüte am Straßenrand im Wendland

Die andere Seite des Wendlandes zeigt sich bei der Kulturellen Landpartie.

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