Schlagwort-Archive: Hamburg

Bevor ich es vergesse …

Vergangenen Donnerstag traf sich inzwischen zum vierten Mal der analoge Salon zu digitalen Themen der Initiative I-15 in Hamburg. Diesmal waren es siebzehn mehr oder weniger zusammengewürfelte Menschen, die sich über die digitale Welt und deren gesellschaftlichen Wirkungen austauschten.

Das „Erinnern und Vergessen in Zeiten des Internet“ war an diesem Abend der Ausgangspunkt der individuellen Statements, die in drei Minuten die eigene Motivation, die gesellschaftliche Konsequenz und idealer Weise auch mögliche Ideen für Handlungen darlegen sollten.

Auch wenn sich (vorhersehbar) kaum eine oder einer an die drei Minuten hält und ich den Eindruck habe, dass die vorbereiteten Skripte von mal zu mal umfangreicher werden (Ich plädiere für den kommenden Salon bereits an dieser Stelle, dass maximal eine DIN A4 Seite mitgebracht werden darf ;)  Weiterlesen

Der Büro – oszillierende Spurensuche

Meine kleiner und sehr geschätzter Kreis regelmäßiger Leserinnen und Leser erinnert sich eventuell: Ich suche gelegentlich einen Altpapiercontainer auf, um die letzten Restbestände veralteter analoger Informationsträger zu entsorgen. Vor kurzem setzte mich erneut einer der Container in Erstaunen:

Der Aufkleber:

Genau diese Sorte Aufkleber ist mir auch schon vorher aufgefallen – ohne jetzt vertiefen zu wollen, ob ein Altpapiercontainer der optimale Ort ist, um Werbung für was auch immer zu machen: Weiterlesen

Von Wegen und Zielen

Es war nach sehr langer Wartezeit endlich soweit: Michaela von Aichberger aka @Frauenfuss stellte ihre „Ich male meine Follower„-Moleskine Bilder in Hamburg aus. Die Vernissage wurde im Stilwerk gefeiert. Schön gelegen, direkt am Fischmarkt, von dort aus kann fast in die Elbe gespuckt werden.

Problem: Ohne Auto leider ganz schlecht zu erreichen.
Die von mir um Hilfe angetickte Service Seite des HVV warf mir tatsächlich fünf unterschiedliche Routen aus, die alle Vor- und Nachteile hatten. Wegen des romantischen Aspektes (und der kürzesten Fußwege oder geringsten Anzahl an Umsteigenötigungen) entschied ich mich für die Kombination U-Bahn und Schiff.

An den Landungsbrücken wird zur Zeit offensichtlich umgebaut, von der U-Bahn aus ist nach der Verbindungsbrücke nirgends ein Schild mit irgendwelchen Linienhinweisen zu finden.

Tapfer Richtung Wasser, die Linie 62 liegt tatsächlich schon bereit an Brücke 3, die acht Minuten Wartezeit könnte ich auch im Warmen auf dem Schiff verbringen. Wer jetzt noch kein HVV-Ticket hat: Die gibts auch direkt an der Brücke im Automaten. Die Strecke zum Fischmarkt kostet preiswerte 1.30 €. Ein wahres Schnäppchen im Vergleich zu den Preisen, die ich vergangenen Herbst in Venedig erstaunt zur Kenntnis nahm: Weiterlesen

Adorno am Altpapiercontainer

Adorno an Altpapier

Ein Meilenstein der Sozialforschung ausgesetzt?

Einfach so?

Bei der wöchentlichen Tour eines immer noch viel Holzmedien verschlingenen Haushaltes zum Altpapiercontainer lag dort letztens dieser Klassiker der empirischen Sozialpsychologie aus.

Leider ist der Inhalt nach wie vor aktuell. Die von Adorno mit entwicklte F-Skala erfasst Persönlichkeitsmerkmale für die Anfälligkeit für totalitäre Politik Weiterlesen

Wolkenbruch und Hagelpeitsche

Ich bin zwischen den Welten gelandet.

Erst waren es nur Tröpfchen, dann Tropfen, dann ein Wassersturz. Genau in der Mitte zwischen Start und Ziel. Unter dem letzten der Alleebäume auf meiner Strecke halte ich mein Fahrrad an. Die Flucht unter den Schutz der Blätter soll nur solange wie der Guß dauern.

Einer der Momente im Leben, über die ich im Nachhinein nicht sicher bin, wie ich mich entschieden hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt. (Ohne es direkt mit Kinder kriegen und Eigentum erwerben vergleichen zu wollen…) Ebenso wert, zu den Momenten der verpassten richtigen Gelegenheiten zu zählen. Weil es nach einem kurzen Regenguß aussah – und sich stattdessen in einen anhaltenden Wasserfall wandelte.

Das spätsommerliche Blätterdach nutzte mir rein gar nichts. Die Hose klebte wie durchs Wasser gezogene Leggings an meinen Schenkeln, das Wasser schien wie von selbst aus den Schuhen zu fließen. Mein grüner Ledermantel verhinderte wenig. Trotz des aufgestellten Kragens spürte ich, wie sich der Regen nicht nur vom Scheitel auf den Weg entlang meines Halses und meines Rückens machte. Den Kragen stellte ich weniger wegen des Regens sondern wegen des peitschenden Hagels auf. Wasabi-Pea große Hagelkörner. Massen. hagelten. auf. mich. herab. Gleichzeitig schwillt der Wasserstrom zu meinen Füßen bis zur Bordsteinkante an und ich fühlte mich an Fluten in Thailand erinnert.

Surrealer Klimawandel? Als die Hagelkörner meine Wangen auspeitschten, dachte ich nicht darüber nach. Ich schloss die Augen. Dachte gar nichts. Sah und spürte: Wasser. Als ich die Augen wieder öffnete, stand ein Transporter vor mir an der Ampel. Das junge Paar bot mir winkend einen Platz neben ihnen an. Wirklich unglaublich zauberhaft. Ich war mindestens klatschnass. Lachend winkte ich ab. Ich hatte mich der Situation ergeben. Mir gefiel mein Standort.

Auch wenn die Sporttasche fast bis aufs letzte Handtuch durchnässt war. Irgendwann ließ der Regen nach. Ich kehrte nicht um. Mein Sportclub hat ein Schwimmbad. Ein wunderbarer Moment, es mal wieder zu nutzen und mich hinterher in der Sauna durchheizen zu lassen. Herbstanfang.

Vodpod videos no longer available.

Mobilisierende Stadtmöblierung

Litfaßsäule von @Bosch

Die gute alte Zeit der Litfaßsäule ist vorbei; zumindest in Hamburg. So schrieb schon @Bosch, dessen wunderbares Foto ich zur Illustrierung benutzen darf.

fragwürdige Stadtmöbel #1

Das Nachfolgemodell ist nicht nur deutlich größer, sondern auch – mobiler. Es dreht sich und ist nachts beleuchtet. Allerdings dreht es sich nicht inwendig und das, was wie Glas aussieht, ist nur Plexiglas. Und wenn ich mich außen anlehne (was mir als Radfahrerin schon mal passiert), gerate ich nicht in Turbulenzen, aber die Umdrehung der Außenhülle erfordert gewisse Balanceakte, die bei den richtigen Litfaßsäulen nicht erforderlich waren.

fragwürdige Stadtmöbel #2

Es ist keine Entschuldigung, wenn die eingesetzte Werbung ansatzweise an der Umgebung ausgerichtet wird. Hier dient sie für mich eher als Größenvergleich. Das, was sich links neben der Ersatzsäule befindet, ist eine Telefonzelle (zuletzt von mir vor 8 Jahren benutzt) Auf diesem Bild befinden sich so gesehen drei fragwürdige Stadtmöblierungen. Wobei das Wort Möblierung natürlich ein reiner Euphemismus ist. Wer möbliert, macht sich normaler Weise ja Gedanken darüber, wie er sein Umfeld ausstattet. Hier wird selbst vor der Verschandelung von Gebäudeensembles aus der Schumacherzeit keine Rücksicht genommen.

fragwürdige Stadtmöbel #3

Doch fragwürdige Stadtmöblierungen finden sich überall in Hamburg verteilt.

Hier zum Beispiel.

Weiterlesen

Casiotone for the Painfully Alone – live

Mein letzter Konzertbesuch resultierte aus meiner Begeisterung über den Bandnamen und ein oder zwei Videos, die ich im Netz entdeckt hatte – und zufällig ist Casiotone for the Painfully Alone aus Chicago tatsächlich drei Wochen später in der Stadt. Vodpod videos no longer available.

Ich scheine die einzige Frau jenseits der 30 zu sein; es sind überhaupt nur sehr wenige Menschen anwesend, ein, zwei Dutzend am Anfang, was mir nach dem überfüllten Konzert der „Whitest Boy alive“ wenige Tage vorher im Uebel und Gefährlich, schräg gegenüber, aber durchaus sehr angenehm ist. Ich bin nicht so für Käfighaltung, Atemnot und gedrängten, verschwitzten, unfreiwilligen Körperkontakt im Übermaß.

Im Hamburger Knust sind vorwiegend Jungs anwesend, 4/5 davon Hornbrillenträger. Für einen kurzen Moment frage ich mich selbst, was mich hierher verschlagen hat. Die Jungs sehen alle ein klein wenig aus wie Moot, wahlweise in Ringel- oder Kapuzenpullis gekleidet.

Casiotone ftpa im Knust

Blick auf die Bar, nicht auf die Bühne.

Was mich mehr als alles andere an diesem Abend umgehauen hat, war der Supporting Act, Concern. Vorbands sind bei Konzerten ja meist eher unangenehme Nebenwirkungen, die in Kauf genommen werden, um einen halbwegs akzeptablen Stehplatz abzubekommen.

Diesmal war alles anders.

Unvermittelt betritt ein Kapuzenpulliträger die Bühne. Kapuze tragend. Er setzt sich an eines der aufgebauten Keyboards. Das, was jetzt stattfindet, hat mehr Ähnlichkeit mit einem Vorspiel als mit irgendetwas anderem. Weiterlesen

Kixkalogisches Déjà Vu im Waschsalon

Wenn zwei Tage vor Karfreitag die Waschmaschine mit lautem Todesgedröhn verreckt und der freundliche Herr der Firma, die früher noch wußte, was Frauen wünschen, am Mittwoch darauf für ganze 78,- € trocken feststellt, dass für eine Reparatur der sieben Jahre alten Maschine 280,- € investiert werden müssten: nun gut. Shit happens.(und ich weiß, welche Marke ich nicht wieder kaufen werde :P )

Es sammelt sich bei drei Männern und mir in der Zwischenzeit bis zur neuen Maschine nicht ganz unerwartet ungewaschene  Wäsche an. Mengen, die es nicht zulassen, bei den wirklich ausgesprochen freundlichen Nachbarn um Hilfe zu bitten. So ergibt sich die Gelegenheit zu einem Déja vu: Auf zum Waschsalon. Dort gibt es sogar Maschinen, die 12 Kg Wäsche auf einmal nehmen. Und nur eine halbe Stunde brauchen sollen, bis alles wieder sauber wird.

Waschsalon

Den Traum vom wunderbaren Waschsalon habe ich schon vor über zehn Jahren ausgeträumt. Mein erster Job nach meinem Examen hat mich nach Berlin gelotst, wo ich anfangs in der Willibald-Alexis-Straße residierte. Weiterlesen

Soap & Skin live in Hamburg

High Expectations – sehr schnell gehe ich mit gemischten Gefühlen aus Konzerten heraus, bei denen ich zuviel erwartet habe.

sm_soap_skin_k_mg_0417

Anja Plaschg ist es am 25. März auf Kampnagel allerdings gelungen, mir nicht nur meine Nackenhärchen aufzustellen und Gänsehaut von meinen Unterarmen bis zum Bauchnabel hervorzurufen. Großartig. Schüchterne Girlsm-Publikumskontaktscheu hin oder her. Das, was diese Frau macht und wie sie es macht, ist einfach umwerfend, entwaffnend überzeugend.

Die 18-jährige, die an diesem Abend ganz in Schwarz die Bühne betrat, könnte von der Optik und vom Habitus her sehr gut die Tochter von Tim Burton und Helena Bonham Carter sein.

skinsoap-anjaalma-1

Düster, elegisch, Alma Mahler-Werfelesque ist schon das Cover ihres Albums Lovetunes for Vacuum – einen Tag nach dem Konzert auf einem erstaunlichen Rang 28 der Verkaufscharts bei Amazon. Erstaunlich, weil die Musik der Grazerin alles andere als eingängig ist. Weiterlesen

Indie-Eisdisko in den Wallanlagen

Diesen wunderbaren Hinweis habe ich im Hamburger Terminkalender Elbeseiten entdeckt. Eine Fundgrube für FreundInnen alternativer/Independent Musik und Kultur
– eben für Leute, die keine Indie „Roggenrohlvernissagemuwiexhibitions“ mehr verpassen wollen. Weiterlesen