Archiv der Kategorie: Qypen

Ich schrieb auf Qype.

Flashback am Jahresanfang 2017 – auf der Suche nach der Qype-Identität einer jetzigen Facebook-Freundin stöberte ich nach Qype-Screenshots auf meinem Macbook – und stieß beim ersten Treffer auf einen verloren geglaubten Text von mir. Anders als meine liebsten Qype-Beiträge hatte ich diesen Text nicht auf Kixkalogic transferiert – eben weil er kein klassischer Beitrag war, sondern einer Gruppendiskussion entstammt – die hatte ich zwar verlinkt, aber spätestens seit der Übernahme von Qype durch Yelp 2013 ergab der Klick nur noch eine 404 – die Seite war nicht mehr vorhanden.

Aus sentimentalen Dokumentationsgründen hier das Fundstück:

kixka-qype-profil-09-2008-tiff

Screenshot ca. September 2008

März 2008

Ich schreib auf Qype.

Bisher wenig Berichte, eher mal Kommentare oder in den Gruppen. Und ich schreibe mir mit meinen Kontakten. Natürlich nicht mit allen immer sehr viel, aber schon regelmäßig, mit den einen mehr, mit anderen weniger.

Qype ist, wenn der geneigte User sich darauf einlässt, vor allem auch: Community. Eine offene und herzliche – manchmal ein bisschen schroff, aber selbst das meist in vager guter Absicht.

Warum schreib ich auf Qype ?

Wegen einer Tüte Haribo, eines schicken T-Shirts, etwas Merci-Schokolade oder einer Tasche, auf die meine Söhne scharf sind ?

Sicher nicht.

Zusammengefasst vielleicht:

Weil’s kickt.

Wen das näher interessiert:

Die Qype-Diskussion vor kurzem, um die Rangelei auf den vorderen Plätzen, ließ mich aufhorchen und ein wenig in mich gehen. Den Ehrgeiz, ganz nach vorne zu kommen habe ich eher nicht, glaube ich. 250 Punkte, ok, dann die 1.000, auch gut. Es war aber, zugegeben, schon spannend für mich zu sehen, wann ich die erreicht habe.

Der Kick kommt für mich aber sicher aus einer anderen Richtung.

Ich bin kürzlich auf eine Studie gestoßen, in der es um einen Blick auf die Motivation von Menschen geht, die in einem anderen Rahmen:

1. Berichte schreiben, um Informationen festzuhalten

2. die diesen anderen Rahmen als Reflexionsmedium nutzen, um persönliche Interpretationen von Erlebnissen und Erfahrungen zu dokumentieren

und schließlich 3. diesen anderen Rahmen auch als Kommunikationsmedium wahrnehmen, da er das Potenzial zur Vernetzung hat.

Ich würde mal sagen – Bingo:

1. Ich schreib auf Qype.

2. Ich verbinde das mit meinen Erlebnissen und Eindrücken.

Und ich tausche mich 3. mit anderen Qypern in den Kommentaren, in den Gruppen und per Qype-Post aus, einige habe ich schon getroffen.

Bisher waren das immer ausgesprochen spannende, amüsante und erhellende Abende. (Kixka, merken: (kommentierte ?) Liste aufstellen: die ersten zehn Qyper, die ich getroffen habe :)

Die erwähnte Studie “Knowledge Blogs zwischen Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit” http://tinyurl.com/3awwkq von Reinmann und Bianco, behandelt die Motivation von Wissensbloggern.

Ohne jetzt zu hoch greifen zu wollen, lassen sich nach meinem Eindruck viele der Ergebnisse direkt auf das Schreiben bei Qype übertragen.

Jeder Qyper, der hier zu einem Ort mehr und engagierter schreibt als “voll toll, komme wieder” kann, wenn er sich mit seinen Texten ein klein bisschen Mühe gibt, im Kleinen (manche auch im Großen) mit einem “Wissensblogger” verglichen werden.

Behaupte ich jetzt mal.

Ich habe hier jedenfalls schon viele unglaubliche Artikel gefunden, in denen ich etwas gelernt habe. Nicht unbedingt im Schulsinne, sondern sehr viel unterhaltsamer. Wobei für mich gilt: persönlich gefärbte und geschliffene, lebendige Fakten, gespickt mit Witz und Charme sind mir naturgemäß näher als staubtrockene Datensammlungen.

Ich suche hier keinen Baedecker.

Ich will jetzt nicht zu ausufernd auf die Ergebnisse eingehen – aber: Zu welchen Schlüssen kommen die Autorinnen ?

Sie fassen andere Motivationsforscher so zusammen:

“Der Mensch strebt danach, etwas zu bewirken und sich dabei als wirksam und in der Folge als kompetent zu erleben.

Er hat zudem den Drang, mit anderen verbunden zu sein und von diesen akzeptiert und anerkannt zu werden. Und schließlich will er sich mit und in seinem Tun als kohärent* erleben und das Gefühl haben, das eigene Handeln selbst bestimmen zu können.” (edit: Danke, Barmann, ich wollte es sowieso ergänzen: *kohärent = folgerichtig, zusammenhängend)

Also, kurz gesagt, motiviert:

1. Das Bedürfnis nach Kompetenzerfahrung

2. Das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit

3. Das Bedürfnis nach Autonomie(-Erleben)

1. Wie treibt Qyper das Bedürfnis nach Kompetenzerfahrung zum Schreiben ?

Nun, die Öffentlichkeit, in der hier geschrieben wird, ist eindeutig eine grandiose Möglichkeit, sich selbst als wirksam zu erleben.

Google einen Ort, Du landest bei Qype.

Das kickt.

Das allein ist es aber nicht:

“Die chronologische Sammlung von Einträgen macht nicht nur anderen, sondern auch dem Autor selbst deutlich, was er seit Beginn seiner Bloggerkarriere (hier = Qype-Karriere) alles gesammelt, erarbeitet, interpretiert, geordnet und anderweitig festgehalten hat.” Jeder Eintrag ist eindeutig einem Qyper zuzuordnen. (Was auch erklären könnte, das einige Qyper im Gegensatz zu anderen Communities mit echtem Namen posten.)

Fürs noch stärkere narzisstische Kicken fehlt nur noch der Zähler, wie oft ein Bericht (natürlich nicht der Ort!) aufgerufen wurde :)

Ausbleibendes Kompetenzerleben (bei Qype zb. keine Feedbacks oder Kommentare zu erhalten, vielleicht auch ausbleibende Kontaktanfragen) könnte allerdings auch erklären, warum es so viele Eintagsfliegen gibt, die nach kurzer Zeit ganz von der Bildfläche verschwinden.

2. Was hat Qypen mit dem Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit zu tun?

Nun, wer fühlt sich nicht wohl, wenn er “gesehen” wird, wenn er Respekt und Anerkennung von Qypern erfährt, die sich mit ähnlichen Dingen beschäftigen, wie er selbst ?

Die thematischen wie persönlichen Bezüge, die über die Qype-Berichte aufgenommen werden können, sind denkbar perfekt dafür geeignet. Soziale Kontakte können sich dynamisch weiterentwickeln.

Ich halte es nicht für zu verwegen, anzunehmen, dass eine Vielzahl virtueller wie realer Kontakte so hoher Erlebnisqualität ohne Qype gar nicht zustande gekommen wären.

Qype als Netzwerk-Guide.

Das funktioniert.

Und kickt.

3. Das Bedürfnis nach Autonomie

Nun, spätestens hier wird es kompliziert.

Es geht um Fragen des freien Willens.

Es geht darum, dass es sehr angenehm ist, wenn der Qyper sich beim Qypen so fühlt, dass sein Schreiben und Wirken mit dem Selbstbild übereinstimmen, das er von sich entworfen hat. Es geht um die Freiwilligkeit seines Handelns und die zahlreichen Möglichkeiten, die Qype bietet, das eigene Selbst zum Schillern zu bringen.

Es geht auch darum, dass gelungenes Qypen zur Reflexion anregen kann.

Ich als Qyperin kann meinen Handlungsspielraum erweitern und mich autonom darin erleben, wenn es mir gelingt, die (natürlich nicht immer ausgesprochenen) Spielregeln der Qyper und meine eigenen Wertvorstellungen in Übereinstimmung zu bringen.

Wenn das gelingt:

Kickt’s.

So.

Wen das alles wirklich interessiert, wird den Link klicken, das Pdf downloaden und den Text schon selber lesen müssen :)

PS: Und es wird vermutlich nicht mehr lange dauern – und auch Qype wird Gegenstand kommunikationstheoretischer und/oder soziologisch/medienwissenschaftlicher Untersuchungen sein.

Als Titel denkbar:

„Auf der Suche nach dem goldenen Weg –Web 2.0 im Spannungsfeld zwischen dem Traum von Basisdemokratie und globalen Geschäftsinteressen. Eine Analyse User-Generated-Content-Communities am Beispiel von Qype.“

PPS: Sollte ich mir den Titel schützen lassen ? ;-)

Estnische Gräber mit Blick auf mehr

So sonderbare Orte sucht man nicht auf,
man wird dorthin verschlagen.
Zum Beispiel auf der Suche nach Nahrung.

Jeder Individualreisende in touristisch wenig erschlossenen Gebieten wird die Situation kennen: Die letzte Ortschaft, in der ein Restaurant oder Café aufzutreiben gewesen wäre, liegt kilometerweit hinter den Reisenden.

Was dann folgt, ist das große Nichts.
Allerhöchstens geschlossene Stätten, an denen es zu anderen Uhrzeiten vielleicht etwas zu Essen geben mag, aber mit Sicherheit nicht jetzt, wenn es Dir, Fremder, danach verlangt.

Die estnische Küstenstraße entlang des Peipussees ist keine Gegend, in der sich Supermärkte finden lassen. Allenfalls kleine beschirmte Stände einheimischer Bauern, an denen Kartoffeln feilgeboten werden, sicherlich schmackhaft. Oder Zwiebeln. Noch mehr Kartoffeln und weitere Zwiebeln. Roh. Vielleicht noch rote Beete.

Die Hoffnung heißt Kallaste, ein Fischerort, 1.152 Einwohner.
Doch zu Essen findet sich um diese nachmittägliche Uhrzeit: Nichts.

Vielleicht war es ein Sonntag,
aber vermutlich nicht.

Dafür findet sich etwas anderes;
etwas, das den Hunger vergessen lässt.

Ein Friedhof mit Blick aufs weite Wasser.
Baumbestanden an roter Steilküste.
Russisch-orthodoxe Kreuze und Gräber,
fremd für den lutherisch-geschulten Blick. Weiterlesen

Die letzten Runden auf der Eisbahn in den Wallanlagen ?

Eigentlich hätte dies
ein wunderbar
vorweihnachtlich
romantischer Beitrag
werden sollen.

Über den Zauber, den diese einmalige Freiluft-Eisbahn umgibt.

Trotz – und vielleicht auch wegen der in die Jahre gekommenen Anlage, trotz des Andranges und der vielen Testosteron-erfüllten jungen Männer, die ihre Kufenkünste zum Besten geben, trotz der Kohorten klüngelnd-kichernder Mädels, denen diese Künste gelten. Trotz der Musik, der diese Paarungs-Präliminarien untermalt – oder sagen wir lieber: überschallt.

Trotzdem also,
weil: Miss Juni im Dezember kaum einen besseren Ort für ein First Date finden wird. Weiterlesen

Killt Twitter die Blogs ? Eine Session auf dem BarCamp Hamburg

#bchh08

Bis auf den Flur drängelten sich die Interessenten auf dem BarCamp Hamburg 08, als diese Frage von Jan Tißler gestellt und von den anwesenden sich bekennenden Twitteratis diskutiert wurde: Wie sieht die Zukunft des Bloggens aus ?

Jan Tissler #bchh08 Die Zukunft des Bloggens

Zwei Trends scheinen da zusammen zu fallen: Viele der “Alpha-Blogger” haben aktiv zum Erfolg des Micro-Bloggings beigetragen – und plötzlich erledigen sich viele Themen für das eigene Blog, “weil es schon getwittert wurde”.

Gleichzeitig gibt es auf der Seite der Blog-Rezipienten deutliche Ermüdungserscheinungen: Es gibt so viele “relevante” Blogs dass es ohne die Hilfe von Feedreadern oder Aggregatoren wie Netvibes überhaupt nicht mehr möglich ist, einen Überblick zu gewinnen und zu behalten. PaulinePauline outete sich damit, ca. 200 Feeds gepeichert zu haben, von denen sie ganze fünf (!) regelmäßig liest. Der Rest dient als sehr guter Pool, um im Falle des Recherche-Falles nicht über Technorati im Irgendwo suchen zu müssen.

Neue Themen in Blogs werden also nur noch von Fall zu Fall, wenn der Teaser die momentanen Leselüste und Bedürfnisse anspricht, aufgesucht. Konsequenter Weise wird in den einzelnen Blogs weniger kommentiert – auch wenn sich in Gruppen-Blogs wie Spreeblick zeitweise sämtliche Kommentatoren der Sphäre zu tummeln scheinen.

Gleichzeitig ist aber ein dem genau entgegenlaufender Trend zu beobachten: Weiterlesen

Café Paris in Hamburg

Ein Ort, der für bestimmte Anlässe für mich wie geschaffen ist.

Abends.

Einen Anisé auf Eis mit Wasser, an der Bar allein.
Das aber eher selten. Weiterlesen

Le Lion – Bar de Paris in Hamburg

„Für die Frau von Welt und den Herrn mit Knete.“ Fällt mir als erstes ein, bei dieser Tapete. Ein Hinkucker und Hinfasser, braunes Ornament, samtig strukturiert.

Das Le Lion – Bar de Paris ist die Antithese* zum Café Paris gegenüber, einem sehr lebendig-lauten Bistro.

Hier hingegen ist alles gedämpft.
Bleib draußen, Welt.

Genuin feminin bin ich nach den Beschreibungen meines eloquenten Vorschreibers Badbury davon ausgegangen, dass es sich beim Le Lion um so eine Art Herrenclub handelt.

Mitnichten.

An der Bar: Zwei Frauen unterhalten sich, eine weitere allein, im Gespräch mit dem aufmerksamen Bartender. Andere Besucher der Bar an diesem Abend: Verschiedene Paare von Anfang Dreißig bis Mitte Vierzig, eine Vierergruppe aus Skandinavien, die perfekt in fließendem Englisch bedient wird.

Danach vier junge Herren, die aussehen, als seien sie Franz Ferdinand. Sind sie nicht, bilden aber einen interessanten Kontrapunkt zu einer kleinen Gruppe eher älterer Kulturmenschen in einer weiteren Ecke des fensterlosen Raumes.

Somnambule Soubretten sehnen sich unter Umständen nach einem Separée, ein schwerer brauner Vorhang ermöglicht es, einen kleinen Teil der Bar in ganz besonderen Fällen vor den Blicken anderer Gäste diskret abzuschirmen.

Der Hinweis in der sehr übersichtlichen Karte, dass die Herren hinter der Bar von Herr von Eden eingekleidet werden, spricht auch schon sehr für sich. Genauso, wie die Bitte, von der Nutzung von Laptops, Mobilgeräten und ähnlichen Gadgets Abstand zu nehmen. Für die Raucher befindet sich draußen vor der Tür in einer edel holzverkleideten Wandnische ein todschick ausgeleuchteter gläserner Aschenbecher.

Zum Auftakt wird mir der Hauscocktail präsentiert, geradezu rituell serviert, der dekorative Limetwist am Rand des Glases gerieben: Lillet Blanc mit London Dry Gin und etwas Peychaud’s Bitter.

Nicht nur zu Ostern eine Empfehlung wert:
Der Eierbecher des Löwen, gestatten:
Der Hausdrink „Le Coquetiez du Lion“
Foto: Le Lion/Christoph Edelhoff

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In nuce: Der botanische Park auf der Isola di Brissago

Eine Weltreise in einer sonnigen Nußschale, was für ein besseres Antidepressivum kann es für angeschlagene Nordlichter geben?

Geburtstagsblick auf die Isole di Brissagio

Der botanische Park auf der südlichen Isola di Brissago ist perfekt dafür geeignet. Weiterlesen

Freiluftige Musenküsse: Wanas Slott in Südschweden

Einer meiner nicht mit mir groß gewordenen Kleinmädchen-Träume war der, eines Tages einen richtigen Zauberwald zu finden.

Nicht so einen “Märchenwald”, wie ich ihn als Kind häufiger mit meinem Vater aufsuchte, in dem entlang eines vorgegebenen Weges da und dort lebensgroße Laubsägefiguren aus dem Grimmschen Fundus herumstanden.

Tollende Trolle in Wanas

Sondern einen verzauberten Wald, im dem ich auf verschlungenen Pfaden lauter Schätze entdecken kann. Im dem es Pyramiden und Labyrinthe gibt, unendlich hohe Bäume, an denen Schaukeln hängen; die Erklimmbaren davon an Seilen, die gut zehn Meter von den Ästen herabhängen. Andere schweben unerreichbar in lichter Höhe. Es lassen sich mitten im Wald einsame Bänke finden, die – kaum Platz genommen – wie von Geisterhand anfangen zu wackeln. Weiterlesen

Zur kulturellen Landpartie ins Wendland

Das Wendland ist in Post-Castor-Transport-Zeiten auch nicht mehr ganz das, was es damals noch war. Heute laufen hier echte Sensen-Männer herum, allerdings ganz untypisch eher Anfang dreißig und von athletischer Figur: Das landwirtschaftliche Wetzen, Dengeln und Schnittern braucht Kraft. Gleichzeitig ist zwei Dörfer weiter ein junger Bauer zu sehen, der mit einer Digitalkamera Aufnahmen seines Traktoren herstellt. Das Ergebnis wird vermutlich noch am selben Abend bei Ebay zu finden sein.

Apfelblüte am Straßenrand im Wendland

Die andere Seite des Wendlandes zeigt sich bei der Kulturellen Landpartie.

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