Pink wirkt

Das MAGAZIN hat mich wieder etwas schlauer gemacht: Es gibt ein Rosa, das in Gefängnissen als Wandfarbe eingesetzt wird, um aggressive Insassen innerhalb von sehr kurzer Zeit zu beruhigen. Die meisten dieser Zellen gibt es in den U.S.A., doch inzwischen gibt es auch im Schweizer Pfäffikon zwei bunte Spezialräume. In den letzten zehn Jahren gab es einen sehr starken Anstieg gewaltbereiter Häftlinge, so dass der Mut für diese eher unorthodoxe Methode zusammenkam – und das wohl eher zufällig, weil einer der Aufseher ausgebildeter Maler war und für eine Projektarbeit zum Thema des Einflusses von Raumfarben im Gefängnis auf das Wohlbefinden von Insassen recherchierte.

Ein interessanter Artikel, sehr lesenswert!

«Selbst wenn eine Person absichtlich versucht, in der Gegenwart von Rosa böse oder aggressiv zu sein, kann sie es nicht. Die Herzmuskeln können nicht schnell genug schlagen. Es ist eine stark beruhigende Farbe, welche die Energie abzieht. Sogar Farbenblinde können in rosaroten Räumen ruhig gestellt werden.» Das hat Dr. Alexander G. Schauss herausgefunden, der wissenschaftliche Vater des Baker-Miller-Pinks.

Eine Frage ist mir beim Lesen allerdings sofort in den Kopf geschossen:

"Some studies have shown Baker-Miller Pink to be an appetite suppressant or useful for relaxation or stress relief. Here is the color. See if gazing on it has any effect for you."

Wenn es zahlreiche Untersuchungen gibt, die den nichtmedikamentösen, beruhigenden Effekt nachweisen – hat sich bisher noch niemand Gedanken darüber gemacht, was das für die unzähligen Mädchen bedeutet, die in rosa Zimmern aufwachsen? Dazu wird dem Baker-Miller-Pink zugeschrieben, als Appetitzügler zu wirken:

Im Ergebnis sind das dauersedierte, magere, schwache Mädchen.

What a wonderful World. Not.

Doch, es gibt jemanden, der im Ansatz darüber nachgedacht hat. Und der ist sogar ziemlich prominent: David Byrne schrieb 2003 für das CabinetMagazine einen Artikel über Pink – und das Verhältnis seiner Tochter zu dieser Farbe.

18 Antworten zu “Pink wirkt

  1. Daß einem die Farbe den Appetit verdirbt, glaube ich sofort. Ich mochte sie schon als Kind nicht.

  2. Was wohl mit einem Jungen passieren würde, wenn er in einem rosafarbenen Zimmer aufwüchse?

  3. Interessanter Hinweis. Meine Enkelin hatte sehr lange eine pinkphase, jetzt ist schwarz Trumpf.
    Evtl. war die pinkphase zu lang, denn mit dem Essen klappt es immer noch nicht richtig. Werde dem mal nachgehen.

  4. @Lakritze: Geht mir genauso. Wenn wir aber alle wissenschaftlichen Erkenntnisse diesbezüglich heranziehen, ist der praktische Nutzwert für eine menschenwürdige Therapie dann doch stark begrenzt: man darf sie nur bei Farbenblinden anwenden :)

    Ähm, sind Filme, die im Internet unter der Bezeichnung „pink“ kursieren, solche, die Aggressionen verringern? Man lernt nie aus!

  5. @Lakritze Das ging mir exakt genauso. Rosa war mir von Anfang an fremd und ist es geblieben.

    @Bosch Ich bin gegen Kinderversuche ;)
    Meine Jungs werde ich jedenfalls nicht zur Verfügung stellen.

    @Ottogang Vielleicht stimulierende Konträrfarben einsetzen. Wobei – diese Schwarzphase hält meistens lange an. Das wiederum kenne ich aus eigener Erfahrung :)

    @Sancho Nur bei Farbenblinden? Habe ich etwas überlesen?

  6. Dabei liegt Rosa doch recht nahe am aufregenden ROT! Ob es allein diese „Abschwächung“ der Intensität ist welche eben diese Wirkung hat?

  7. Ich für meinen Teil habe als Mädchen nie eine Rosaphase gehabt, aber schon ziemlich lange liebe ich PINK. Nein eben nicht rosa, sondern dieses Magenta / Fuchsia. Ich weiss nicht wieso, aber dieses bläuliche Rot ist für mich jeden Tag ein positiver Kick. Rot mag ich auch, aber nur dieses richtige Magenta hat für mich das gewisse Etwas. Schweinchenrosa ist mir dann doch wieder viel zu «sanft».

  8. Haha! Genial. Man könnte glatt eine Verschwörungstheorie aufstellen. (Ist nicht auch die Pille oft pink?) Ich war ja auch nie pink, außer kurz mal mit 20, als ich feststellte, dass ich ein Mädchen bin. Aber schnell wieder abgelegt. :-)

  9. und was bist Du jetzt, ein Junge ?

  10. hihihihi
    naja. fast ne frau, glaube ich.

  11. Jetzt untertreib‘ mal nicht so. Quiddje ist eine der vielseitigsten Frauen, die ich kenne. Im besten Sinne.

  12. Zeig mal.

  13. Rosa Norden

    Okay, ich muss mich bekennen an dieser Stelle, denn ich habe SIE in allen Schattierungen universal und maßlos angewendet.
    Ich kann auf Jahre in einer komplett rosa ausgestatteten Wohnung – Wände und (!) Teppich – zurückblicken (ich erstaunlicherweise in etwas babygespeckter Form), habe meine Söhne konsequent in rosa Latzhosen gesteckt
    (solange sie sich noch nicht wehren konnten), selbstverständlich ein beeindruckendes Repertoire an Kleidungsstücken und immer wieder ein wohliges Gefühl, wenn ich dem perfekten Rosaton begegne.
    Nur Erdbeereis mag ich immer noch nicht. In unserem rosa Badezimmer kann ich übrigens trotzdem ziemlich wütend werden, wenn`s mir mal zu bunt wird. Und, ich finde Rosa an Rothaarigen unwiderstehlich.
    Hätte ich eine Tochter, sie würde Rosa heissen.

  14. @Rosa Norden: Du hast meinen Glauben an die Mädchenwelt wieder hergestellt. Wo sind sie denn alle geblieben, die Mädchen mit den rosa und pinken Kleidchen, Schleifchen, Kisselchen? Ich hatte natürlich auch nie so eine Phase, aber meine Tochter sehr wohl. So vehement wie sie sich nach Abschluss der Prinzessinnenzeit gegen die Farbe gewehrt hat, lässt den Schluss zu, dass erstens die Aggressionen doch irgendwann ihren Weg nach draussen finden und zweitens bei vielen erwachsenen Frauen Verdrängung am Werk ist, denn nur so lässt sich die Farbe wieder aus dem System entfernen.

  15. Pingback: VOTE PINK! « Joulupukki geht ins Exil

  16. Rosa – na, fürs Gefängnis mag es okay sein, aber sonst?

  17. Ich bin die Erfinderin von Cool Down Pink und habe gemeinseim mit Herrn Renè Sieber (Aufseher Im gefängnis Pfäffikon) die Gestaltung der mittlerweile vier pinkfarbenen Zellen im Gefängniss Pfäffikon initiiert. Die blutdrucksenkende Wirkung kann ich mittlerweile wissenschaftlich anerkannt nachweisen. Wenn der Blutdruck sinkt, wirkt hormonell der Gegenspieler von Adrenalin …. man kann gar nicht aggressiv sein. Den Mechanismus hier zu beschreiben, würde aber zu sehr ausufern. Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Cool Down Pink und der Babyfarbe „Rosa“, nämlich die beruhigende Wirkung grundsätzlich. Babies verfügen noch nicht über die sog. selektive Wahrnehmung. Sie hören, sehen, riechen, schmecken immer alles, was nach einer gewissen Zeit zu Reizüberflutung führt, das Baby schreit. Rosa beruhigt und wird darum nachweislich von Mädchen und Buben als Lieblingsfarbe genannt. Erst nach Eintritt in den Kindergarten lernen die Knaben, dass Rosa eine Mädchenfarbe sei und lehnen Rosa dann ab. Dass Rosa in unserer Gesellschaft als Mädchenfarbe gilt, ist eher eine „neue“ Tradition. Noch vor etwa 200 Jahren war rosa die Farbe der Prinzen. Der König trug Purpur, der Prinz das kleine Purpur, nämlich Rosa. Auf Gemälden findet oft Knaben in rosaroten Gewändern abgebildet. Und in Italien tragen Männer sehr häufig Rosa. Rosa hat nichts Schlimmes oder „Schwules“ an sich und man kann Babies wie auch Klein- und Vorschulkindern nichts Besseres tun, als ihnen das Rosa zuzugestehen, solange sie sich darin wohl fühlen. Rosa und Pink wirken als beruhigende Gefühlsstabilisatoren. Dass diese Farbe in der unsrigen Erwachsenenwelt nicht akzeptiert ist, hat damit zu tun, dass wir alles Schwache ausgrenzen und zum gesellschaftlichen Tabu erklären. Und darüber sollten wir uns ernsthafte Gedanken machen.

  18. Ich finde die Frage, ob die Verwendung von Rosa als Zimmerfarbe für Mädchen nicht seinen Anteil hat an der Erziehung zu einem Rollenbild, was da ruhig, sanft und mager beinhaltet, nicht so unbedeutend. Ob man da den Kindern wirklich nichts besseres tun kann, bin ich mir nicht so sicher.

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