Adorno am Altpapiercontainer

Adorno an Altpapier

Ein Meilenstein der Sozialforschung ausgesetzt?

Einfach so?

Bei der wöchentlichen Tour eines immer noch viel Holzmedien verschlingenen Haushaltes zum Altpapiercontainer lag dort letztens dieser Klassiker der empirischen Sozialpsychologie aus.

Leider ist der Inhalt nach wie vor aktuell. Die von Adorno mit entwicklte F-Skala erfasst Persönlichkeitsmerkmale für die Anfälligkeit für totalitäre Politik(„implizite antidemokratische Tendenzen u. Faschismuspotential“). In der FR wurde im September 2009 gefragt, ob es den autoritären Charakter noch gibt. Dazu wurde der F-Skala Fragebogen online gestellt (dort gibt es ihn noch als pdf zum download!) Die Auswertung – die natürlich aufgrund der sehr speziellen Zusammensetzung (FR-lesende Onliner … :) nicht so wirklich repräsentativ genug für wissenschaftliche Aussagen ist – findet sich hier.

Anlass der FR-Geschichte zu den Studien zum Autoritären Charakter war die Ausstellung

„Die Frankfurter Schule und Frankfurt – Eine Rückkehr nach Deutschland“

im Jüdischen Museum in Frankfurt, wo sie noch bis zum 10. Januar 2010 zu sehen ist.

Ich bin inzwischen zu der festen Überzeugung gelangt, dass der ausgesetzte Adorno ein Bookcrossing Projekt war (Ich habe es mir nicht näher angesehen, um nach der BCID zu suchen, da ich den Titel in meinem Regal stehen habe :) Das Auswildern von eigenen Buchbeständen, um anderen Menschen auf diese Weise einen Zugang zu ermöglichen, ist ja aber auch denkbar, indem es einfach aus dem Regal geholt wird  – und statt in den Altpapiercontainer hinein auf ihn hinauf gelegt wird. Ich hoffe, dass dieser Adorno einen Finder hat glücklich machen können.

7 Antworten zu “Adorno am Altpapiercontainer

  1. Und ich frage mich gerade, wie viele Menschen auf ihrem wöchentlichen Altpapier-Gang wohl einen Fotoapparat dabeihaben. :)

  2. kormoranflug

    gib es zu, Du wolltest Dich endlich von Adorno trennen und hast ein Abschiedbild gemacht.

  3. Ihr seid beide schlimmer als meine Mutter, die es in Venedig auch nicht fassen konnte, dass ich meine Kamera °immer° dabei habe. :)

    … und lieber Kormoran, ich bin ja fast in Versuchung, diesen „Datumsstempel“ in ihr zu aktivieren und ein aktuelles Bild °meiner° Studien von Adorno hier einzustellen.

    Ich würde es niemals übers Herz bringen, Bücher ins Altpapier zu werfen. Weitergeben, verschenken – ja, auch verkaufen, wenn sie mir nicht am Herzen liegen. Aber ins Altpapier aussetzen? Ich? Undenkbar.

  4. kormoranflug

    Hattest Du Erfolg bei Deinem Sohn mit den Theorien von A. ?

  5. Ich habe keine „Schule“ oder reine Theorie nach der ich meine Söhne erziehe. Adorno gehört aber mit Sicherheit zu den grundlegenden Lektüren, die mein Weltbild (mit-)geprägt haben. Meine Wahrnehmung der Wirklichkeit hat sich danach verändert, oder besser gesagt, sie wurde differenzierter.

    Das aus vielerlei Fund- und Sammelstücken, Erlebnissen und gefühlten °Wahrheiten° gezimmerte Weltbild mag sich in meiner Haltung zur Welt und auch in der Erziehung meiner Söhne manifestieren.

    Doch ob ich damit Erfolg habe oder hatte? Wer weiß das schon. Wieviel Einfluß die Erziehung hat – und was an Persönlichkeit schon von Geburt an all inclusive ist? Die beiden sind so unterschiedlich, obwohl sie aus demselben Genpool stammen, es ist immer wieder faszinierend.
    Wir versuchen es – ob es gelingt, ist die zweite Frage, für deren Antwort es jetzt auch noch ein wenig früh sein mag…

  6. Hier übrigens, ganz passend gerade noch in einer älteren Ausgabe des Magazins gefunden: Glücklich werden N°42Starten Sie einen Guerillakrieg

  7. Pingback: Der Büro – oszillierende Spurensuche « Kixkalogic

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