Wolkenbruch und Hagelpeitsche

Ich bin zwischen den Welten gelandet.

Erst waren es nur Tröpfchen, dann Tropfen, dann ein Wassersturz. Genau in der Mitte zwischen Start und Ziel. Unter dem letzten der Alleebäume auf meiner Strecke halte ich mein Fahrrad an. Die Flucht unter den Schutz der Blätter soll nur solange wie der Guß dauern.

Einer der Momente im Leben, über die ich im Nachhinein nicht sicher bin, wie ich mich entschieden hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt. (Ohne es direkt mit Kinder kriegen und Eigentum erwerben vergleichen zu wollen…) Ebenso wert, zu den Momenten der verpassten richtigen Gelegenheiten zu zählen. Weil es nach einem kurzen Regenguß aussah – und sich stattdessen in einen anhaltenden Wasserfall wandelte.

Das spätsommerliche Blätterdach nutzte mir rein gar nichts. Die Hose klebte wie durchs Wasser gezogene Leggings an meinen Schenkeln, das Wasser schien wie von selbst aus den Schuhen zu fließen. Mein grüner Ledermantel verhinderte wenig. Trotz des aufgestellten Kragens spürte ich, wie sich der Regen nicht nur vom Scheitel auf den Weg entlang meines Halses und meines Rückens machte. Den Kragen stellte ich weniger wegen des Regens sondern wegen des peitschenden Hagels auf. Wasabi-Pea große Hagelkörner. Massen. hagelten. auf. mich. herab. Gleichzeitig schwillt der Wasserstrom zu meinen Füßen bis zur Bordsteinkante an und ich fühlte mich an Fluten in Thailand erinnert.

Surrealer Klimawandel? Als die Hagelkörner meine Wangen auspeitschten, dachte ich nicht darüber nach. Ich schloss die Augen. Dachte gar nichts. Sah und spürte: Wasser. Als ich die Augen wieder öffnete, stand ein Transporter vor mir an der Ampel. Das junge Paar bot mir winkend einen Platz neben ihnen an. Wirklich unglaublich zauberhaft. Ich war mindestens klatschnass. Lachend winkte ich ab. Ich hatte mich der Situation ergeben. Mir gefiel mein Standort.

Auch wenn die Sporttasche fast bis aufs letzte Handtuch durchnässt war. Irgendwann ließ der Regen nach. Ich kehrte nicht um. Mein Sportclub hat ein Schwimmbad. Ein wunderbarer Moment, es mal wieder zu nutzen und mich hinterher in der Sauna durchheizen zu lassen. Herbstanfang.

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6 Antworten zu “Wolkenbruch und Hagelpeitsche

  1. Schön: aus allem das Beste machen zu können. :)

  2. Ich bin beeindruckt und freu mich schon auf deine nächste Hagelpeitsche.

  3. Ein großes Kompliment für die detaillierte Beschreibung. Allein beim Lesen deines Textes kann man förmlich spüren wie es ist, sich dem Regen hinzugeben. In manchen Momenten ein unglaublich befreiendes Gefühl.

    Ich saß zu dieser Zeit im trockenen Zug und hab von alle dem kaum etwas mitbekommen.

  4. So Naturgewalten können schon begeistern, gell? Irgendwie schön, wenn man eh nichts dagegen machen und einfach nur geschehen lassen kann.

  5. Witzig. Bei mir war’s genau andersrum und irgendwie habe ich es bedauert, nicht in den Regen geraten zu sein. Eine banale Kleinigkeit, einfach ein Zufall hat mich etwa 2 Minuten bevor es losging noch mal zurück ins Haus geschickt. Dann ging es los. Ich, sicher hinter der Glasscheibe. Aber halt auch langweilig manchmal, nicht im Regen zu steh’n.

  6. @all Danke ! Ich sollte doch häufiger mal bloggen ;)

    @Qu stimmt, freiwillig setzt man sich ja nicht wirklich solchen Situationen aus. Der Effekt wäre auch ein anderer. (Tanzen im Sommerregen wäre hier ja die falsche Situationsbeschreibung)

    @Afra Ehrlich gesagt stehe ich nicht so wirklich auf Hagelauspeitschungen :) Aber mein nächster Kixkalogic-Beitrag soll nicht ganz so lange auf sich warten lassen. Dein Blog sei mir glanzvolles Vorbild!

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