Casiotone for the Painfully Alone – live

Mein letzter Konzertbesuch resultierte aus meiner Begeisterung über den Bandnamen und ein oder zwei Videos, die ich im Netz entdeckt hatte – und zufällig ist Casiotone for the Painfully Alone aus Chicago tatsächlich drei Wochen später in der Stadt. Vodpod videos no longer available.

Ich scheine die einzige Frau jenseits der 30 zu sein; es sind überhaupt nur sehr wenige Menschen anwesend, ein, zwei Dutzend am Anfang, was mir nach dem überfüllten Konzert der „Whitest Boy alive“ wenige Tage vorher im Uebel und Gefährlich, schräg gegenüber, aber durchaus sehr angenehm ist. Ich bin nicht so für Käfighaltung, Atemnot und gedrängten, verschwitzten, unfreiwilligen Körperkontakt im Übermaß.

Im Hamburger Knust sind vorwiegend Jungs anwesend, 4/5 davon Hornbrillenträger. Für einen kurzen Moment frage ich mich selbst, was mich hierher verschlagen hat. Die Jungs sehen alle ein klein wenig aus wie Moot, wahlweise in Ringel- oder Kapuzenpullis gekleidet.

Casiotone ftpa im Knust

Blick auf die Bar, nicht auf die Bühne.

Was mich mehr als alles andere an diesem Abend umgehauen hat, war der Supporting Act, Concern. Vorbands sind bei Konzerten ja meist eher unangenehme Nebenwirkungen, die in Kauf genommen werden, um einen halbwegs akzeptablen Stehplatz abzubekommen.

Diesmal war alles anders.

Unvermittelt betritt ein Kapuzenpulliträger die Bühne. Kapuze tragend. Er setzt sich an eines der aufgebauten Keyboards. Das, was jetzt stattfindet, hat mehr Ähnlichkeit mit einem Vorspiel als mit irgendetwas anderem. Es scheint ein einziges Stück zu sein, frickelnd beginnend, langsam zu einer Art von Melodie findend. Apokalypse wow. Die Bank unter mir beginnt zu vibrieren. Ich lege mich hin, Platz genug ist ja vorhanden…

Mit PopMusik im herkömmlichen Sinn hat das nicht wirklich viel zu tun. Elektronisches, tja, Gefrickel, das allerdings unter die Haut geht. Eine Stimmung, wie ich sie vorher nur bei Beth Gibbons erlebt habe, Gottesdienstähnlich, falls das noch irgendwem etwas sagt. Entgrenzend vielleicht. Laut. Angenehm. Als ob die Synapsen für eine halbe Stunde eine Auszeit nehmen und sich auf diese speziellen Schwingungen einlassen, sphärisch. Helikopteresk, auf eine Weise. Jedenfalls fern jeder Bodenhaftung. Großartig.

Wie sich herausstellt: Eine Family Affair. Der große Bruder ist der Hauptact. Wie erwartet mit seiner angenehmen Stimme ein seltsamer Bruch hinter den Keyboards, humorvoll, verschroben, ziemlich geeky. Wunderbar für mich, bis zu dem Moment, als das Gedränge auf der Bühne größer wird und immer weitere Musiker hinzugebeten werden. Der Zauber verliert für mich dadurch nicht nur ein klein wenig von seiner Wirkung. Wegen des unvergesslichen Intros bleibt es aber trotzdem eines der sehr guten Konzerte in meinem Leben.

Update 5. August:

Cftpa on Tour in Deutschland:

August 12, 2009- Duisburg, Germany@ Steinbruch
August 13, 2009- Karlsruhe, Germany @ Nancyhalle
August 14, 2009- Frankfurt, Germany @ IVI
August 15, 2009- Bremen, Germany @ JZ Friesenstrasse

7 Antworten zu “Casiotone for the Painfully Alone – live

  1. Oh, die NDW ist nach Amerika geschwappt, interessant.

  2. Lieber Vilmos,
    Du ziehst häufig bemerkenswert abseitige Schlüsse aus meinen Posts. :) Aber ich freu‘ mich, dass Du zum Lesen vorbeischaust.

  3. Deine Texte sind ein Genuss. Als ob ich dabei wäre. „Helikopteresk“. Sehr schön.

  4. kormoranflug

    Der Musiksound erinnert mich an die 80iger im Berliner SO36. Da kamen immer total unbekannte Bands aus dem Untergrund von New York.
    Styling der Zuschauer: Lederjacke, Dosenbier, schwarze Augenschminke (Ofenrohr) bei Männer und Frauen.
    Deine eher männliche analytische Beschreibung passt natürlich zu den anwesenden Hornbrillenjungs……

  5. @kormoranflug, „schwarze Augenschminke (Ofenrohr)“ – Kannte ich noch nicht. Toll! :-)

  6. hab sie leider im august in ffm verpasst – aber folgendes ist doch irgendwie eher mein ding…
    http://www.pflasterstrand.net/blog/kultur/spacewalker-im-waldstadion/

  7. Club oder Stadion, eine alte Frage, auf die ich längst meine Antwort gefunden habe. Ich mag die kleinen Club-Gigs, bei denen ich die Grübchen, den Zweifel, den Spaß im Gesicht der Musiker ablesen kann.

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