Serielles im Mai: Hochzeit von der Stange

Es begab sich im Mai, dass ich mich am Ende eines Ausfluges in den Sachsenwald plaudernd auf einer Parkbank im lieblichen Reinbeker Schlosspark mit Blick auf den romantischen Mühlenteich wiederfand.

brautkleiderstange

Gemeinsam mit einem jungen Vertrauten wurden die generellen Fragen des Lebens erörtert (Gibt es die Frau des Lebens? Werde ich sie treffen ? Wann denn endlich ? Wo ? Könnte eine OnlinePartneragentur weiterhelfen ? Wie sollte mein Profiltext aussehen ?)

Inspiriert und stimuliert wurden wir durch das Geschehen um uns herum.

Es wurde geheiratet:

Auftritt Junge Braut mit angemessen herausgeputzem Ehemann, nachfolgend Prosecco trinkende Entourage. Fingerfood wird gereicht, Küsschen verteilt, Hände geschüttelt. Kleine Grüppchen flanieren am Ufer des Mühlenteiches entlang, es werden Photos geschosssen.

Der typische Überbrückungsakt zwischen der kirchlichen Trauung – oder seltener: der standesamtlichen – und dem Übergang zum großen gemeinsamen Diner. Abzug des Aufzuges. Keine viertel Stunde später, leicht variiert, wiederholte sich das Spiel. Einzug der adretten Braut mit adäquat gekleidetem Ehemann, Brauteltern, Familie, Freunde. Diesmal: Das Brautpaar entlässt einen Schwarm Tauben (waren die womöglich noch alle weiß ?) aus einem verschnörkelten Käfig.

brautkleider

Bei Hochzeit Nummer drei wurden metallic-rote Luftballons von den Gästen in den Himmel geschickt. Bei Nummer vier standen sich die Familien offensichtlich ähnlich nah, wie derer von Montague und Capulet. Eisig wurde es uns trotz des sonnigen Maienwetters. Hochzeit Nummer fünf erleichterte auch uns als zufälliges Publikum mit ihrer nonchalanten Unbeschwertheit des jungen Brautpaares.

Hochzeit Nummer sieben können wir in ihrer Austauschbarkeit überspringen, Nummer acht ähnlich konventionell, Nummer neun war zumindest ein ziemlicher Hinkucker, weil das Kleid der Braut einfach atemberaubend schön war. Sie selbst allerdings ebenso, vermutlich ohne auch nur eine Idee an eine Brautkleiddiät verschwenden zu müssen.

Uns schwirrte der Kopf. Wem es gefällt, bitte sehr. Vielleicht gibt es zu wenig Orte, an denen „der schönste Tag des Lebens“ angemessen gefeiert werden kann.

In jedem Fall: Allen Menschen, die sich auch in diesem Mai das Ja-Wort geben werden:

Viel Glück :) Ihr werdet es brauchen.

8 Antworten zu “Serielles im Mai: Hochzeit von der Stange

  1. Ja, wenn sie nur reihenweise glücklich werden!

    (Die folgerichtige Anschlußfrage lautet, ob es wohl auch einen bestimmten Monat gibt, in dem man sich scheiden läßt?)

  2. Sehr plastisch, Kixka! Jetzt weiß ich endlich, was mir alles nicht entgangen ist :) .
    Ich kann übrigens irgendeinen Freitag den 13. auf einem Standesamt als erprobte Alternative empfehlen ;-) .

  3. @lakritze: Gute Frage. Angemessen scheint mir ein grauer Novembertag, oder?

  4. Reinbeker Schlosspark. Na sowas. Da habe ich mal geheiratet. Es war eher unkonventionell. Die Braut war höchstschwanger.

    PS: Danke für den letzten Satz. Das zeugt von Einsicht.

  5. joulupukki

    Ich habs ja nie so ganz verstanden: Wozu nochmal heiratet man? Also mal abgesehen von rechtlichen Begünstigungen.

  6. Landstreichler

    joulupukki,
    ich vermute Du hast bereits der einen oder anderen Hochzeit beigewohnt, und in den Äußerungen des Standesbeamten/Pastors nichts passendes für Dich gefunden?

    Denn insbesondere die Äußerungen mancher Standesbeamten konnte ich nachvollziehen, ohne die jetzt wörtlich wiedergeben zu können. Vielleicht habe ich da auch nur die „guten“ erlebt. ;-)

    Meine Meinung aus dem Stehgreif:
    Die Hochzeit sollte sich in der Liebe begründen. Dazu kommt mit der Eheschließung die Verantwortung. Die Verantwortung, die Liebe ein Leben lang zu pflegen und zu hegen.

    Der Akt der Hochzeit, wie auch immer man ihn durchführen will, liefert dafür die symbolische Bestätigung.

    Meine Hochzeit begann übrigens wie ein Fußballspiel mit einem Münzwurf. Ich habe zwar für Fußball nichts übrig, aber mir schien diese Methode für die Bestimmung des zukünftigen Nachnamens als die Beste.

  7. joulupukki

    Und die Liebe lässt sich dann leichter ein Leben lang hegen und pflegen, wenn man sich vor einem Beamten ein mehr oder weniger festes JA zuraunt? Nicht falsch verstehen, ich will wahrhaftig niemanden die Wichtigkeit dieses Aktes absprechen, der aus Liebe geheiratet hat. Ich hab halt das Gefühl, dass die Tatsache, dass man verheiratet ist nach dem ersten homoöpathischen Effektrausch eher dazu führt, dass man sich einander ohnehin so sicher ist, dass gerade das Hegen und Pflegen darunter leidet.

  8. Landstreichler

    joulupukki,
    ich sehe die Hochzeit als scharf abgegrenzten Übergang in einen anderen Lebensabschnitt. Als ein Ritual, das eine klare, auch öffentliche Entscheidung erfordert.

    Ohne Hochzeit kann die Entscheidung für die „Partnerschaft“ im Unscharfen verbleiben.

    Mir vermittelt die Hochzeit, glaube ich, nicht mehr Sicherheit in der Beziehung. Ich glaube daher auch nicht, daß das „Hegen und Pflegen“ in einer Hochzeit mehr leidet als bei einer „unentschiedenen“ oder zeitweiligen Beziehung. Krisen wird es geben, das macht einem spätestens hoffentlich der gute Standesbeamte mit deutlichen Worten klar.

    Zum Thema Beamte:
    Wie man seine Hochzeit gestaltet, das ist letztlich abhängig von der Kultur und persönlichen Überzeugung. Ob freie Trauung, der Pastor oder ein Standesbeamter das spielt doch im Ergebnis keine Rolle. Die persönliche Entscheidung ist es doch die zählt.

    Der Rechtsakt der Hochzeit, die Ehe auf dem Papier, vereinfacht sicher vieles, was bei einer „wilden Ehe“ explizit geregelt werden muß/kann. (Adoption der Kinder, Vollmachten, Namensprobleme, Gütergemeinschaft). Das geht oft einher mit dem Heiratsritual, ist aber nicht notwendige Vorraussetzung für eine Ehe.

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