Flimmernde Bücher: Fahrenheit 451 in der Warburg-Bibliothek

Zwei Männer, beides Büchernarren,
sterben im Oktober 1984, im Abstand von nur zwei Tagen.
Die beiden ehemaligen Freunde hatten sich 18 Jahre vorher, während der gemeinsamen Arbeit an einer der bedeutendsten verfilmten Literatur-Hommagen, hoffnungslos zerstritten – und nie wieder gemeinsam gearbeitet.

Bei der Hommage handelt es sich um einen meiner Lieblingsfilme:
Fahrenheit 451 von François Truffaut.

Oskar Werner, der Hauptdarsteller, soll einzelne Szenen regelrecht sabotiert haben. Die Auslegung seiner Rolle als Feuerwehrmann Montag, der Bücher im Staatsauftrag verbrennt und durch die Bekanntschaft mit Clarisse, einer aufgeweckt-kritischen Nachbarin, aus seiner Lethargie gerissen wird, lief der des Regisseurs diametral entgegen.
Es grenzt fast an ein Wunder, dass sich Oskar Werner mit seiner markant-sensiblen Stimme und dem unverkennbaren Timbre für die deutsche Version selbst synchronisiert hat.

Dieser Science-Fiction-Film wirkt poppig-versponnen in seiner Sixties-Ästhetik und ist in seiner Fernseh-kritischen Haltung nach wie vor aktuell. Umso schöner, dass Holger Kraus mit seinem Flexiblen Flimmern für einen Abend im Dezember einen so grandiosen Ort gefunden hat, um diese Literatur-Verfilmung auf der großen Leinwand zu präsentieren:

Flexibles Flimmern im Warburg-Haus Foto Kixka

Im Lesesaal des Hamburger Warburg Hauses.

Ich liebe ja Räume, in denen ich mich schon nur durch mein Dortsein klüger fühle. Oder romantischer.

Auf den Lesesaal des Warburg-Hauses trifft beides zu, ist er doch Resultat der Bücher-Leidenschaft einer der bedeutendsten deutschen Kunst- und Kulturwissenschaftler.

Foto Kixka

Aby Warburg war der älteste Sohn einer alteingesessenen Hamburger Bankiersfamilie. Seinem jüngeren Bruder Max schnackte er einen lebenslangen Blanko-Kredit ab, indem er ihm sein Erstgeborenenrecht, die Bank zu übernehmen, gegen die Zusage abtrat, dass dieser ihm immer alle Bücher kaufen würde, die er brauchte. Dafür, dass Aby und Max zum Zeitpunkt des Handels erst 13 und 12 Jahre alt waren, haben sich beide bewundernswert an den Deal gehalten. Diese Bücherleidenschaft entwickelte sich mit über 60.000 Exemplaren und 25.000 Abbildungen zur Aby-Warburg-Bibliothek.

Lesesaal im Warburg-Haus fotografiert von Kixka ohne Blitz

Zunächst wohnte Aby Warburg nebenan, in der Heilwigstraße 114, doch 1925/26 wurde er Bauherr und beauftragte Gerhard Langmaack unter Mitwirkung von Fritz Schumacher mit dem Bau der kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg.

Von außen ein imposanter dreigeschossiger Backsteinbau, der Clou befindet sich jedoch zur Gartenseite: Ein viergeschossiger Büchertrakt mit einem ellipsoiden Lesesaal. Wunderschön und gelegentlich bei Vorträgen auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Lesesaal im Warburg-Haus ohne Blitz von Kixka fotografiert

Aby Warburg starb bereits 1929. Die Bibliothek konnte 1933 nach London in Sicherheit gebracht werden und besteht dort bis heute als “Warburg Institute”. Erst 1993 wurde das Warburg Haus von der Stadt erworben und wird inzwischen unter anderem vom Kunstgeschichtlichen Seminar der Uni Hamburg mit dem Warburg-Archiv genutzt.

Aby Warburg als Persönlichkeit und Initiator verschiedener Projekte ist ebenfalls spannend. Es lohnt sich, mal etwas zu stöbern.

Warburg-Haus in Hamburg

Warburg-Haus

Aby-Warburg-Stiftung

Heilwigstraße 116
20249 Hamburg
0049 / 40 / 428 38-61 48

www.Warburg-Haus.de

Öffnungszeiten:
zu Vorträgen und kunstgeschichtlichen Veranstaltungen und nach telefonischer Absprache.

Die Beschreibung des Lesesaals im Warburg-Haus ist ein RePost meines Beitrages auf Qype vom 8.1.2008

11 Antworten zu “Flimmernde Bücher: Fahrenheit 451 in der Warburg-Bibliothek

  1. Der Holger flimmert doch wieder? Hach, ich fürchtete schon, der wäre verloren gegangen: Schöne Grüße!

  2. Grandios, das Warburgsche Abkommen. Ich habe leider keine Bank zu verticken, aber den Deal hätte ich auch gemacht, ohne eine Sekunde Bedenkzeit.

  3. joulupukki

    Die Bilder allein verratens schon – der Raum hat Flair! Wieso hab ich das nicht im Sommer schon gewußt, als ich in HH verweilte? Na, dann halt beim nächsten Mal.
    Aber ich denke mal, ich würde den Deal noch etwas ausbauen – schöne und interessante Bücher haben eine unvergleichliche Magie, aber dann gibts ja auch noch … schöne Bilder und schöne Filme und schöne Skulpturen und … hach, ich glaub ich hätte das Bruderherz noch ein wenig mehr um den Finger gewickelt ^^

  4. super, danke für den werner-voice-link!

  5. Wie viel Geld bekommt man da so für soen Photo? Wie heißt der Roman?

  6. Ich werde das Buch-Cover sicher vor Stolz platzend sicher irgendwo posten, es erscheint erst im Herbst.
    ;)

    Das Geld dürfte für ein leckeres Abendessen im Restaurant meiner Wahl auf meiner kleinen Trauminsel reichen.

  7. Wow! Dann erstmal Gratulation und lecker Essen:).
    P.S.: Wie heißt die Trauminsel?

  8. Du findest sie hier.

  9. Habe die Ehre!
    Für so nette Ideen stellt man seine Werke doch gern unter CC Lizenz :)

  10. Pingback: KixCover für Hamburg Krimi « Kixkalogic

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