Zur kulturellen Landpartie ins Wendland

Das Wendland ist in Post-Castor-Transport-Zeiten auch nicht mehr ganz das, was es damals noch war. Heute laufen hier echte Sensen-Männer herum, allerdings ganz untypisch eher Anfang dreißig und von athletischer Figur: Das landwirtschaftliche Wetzen, Dengeln und Schnittern braucht Kraft. Gleichzeitig ist zwei Dörfer weiter ein junger Bauer zu sehen, der mit einer Digitalkamera Aufnahmen seines Traktoren herstellt. Das Ergebnis wird vermutlich noch am selben Abend bei Ebay zu finden sein.

Apfelblüte am Straßenrand im Wendland

Die andere Seite des Wendlandes zeigt sich bei der Kulturellen Landpartie.

Die gibt es bereits seit 19 Jahren und ist doch in dieser Zeit vollkommen unbemerkt von uns Hamburger / Berliner / Hamburgern geblieben. Dieses Jahr sind wir dann eher zufällig darauf gestoßen, weil Nachbarn uns davon erzählt haben. Zum Glück ! Die Fahrt durchs Wendland nimmt von Hamburg aus schon 80 bis 90 Minuten in Anspruch, doch das durch meist sehr angenehme Landschaften. Wir haben uns auf zwei, drei Ausstellungen in Lübeln und Umgebung konzentriert, was wohl auch die richtige Entscheidung war.

Wir hätten die Wahl zwischen 79 Dörfern, 100 Ausstellungspunkten und 550 Künstlern, Kunsthandwerkenden und Handwerkern gehabt. Schon sehr beeindruckend, was die für ein Programm auf die Beine gestellt haben! Und überall kurven engagierte Gutmenschen auf Fahrrädern herum, das Wetter und das CO2-Bewußtsein verlangt auch danach. Es hat ein klein bisschen was von Freizeitparkbesuch in Links, der Anti-Castor-Geist trägt und prägt die Gegend und auch diese Veranstaltung. Halb Eimsbüttel und ganz Kreuzberg würde sich hier vermutlich sehr wohl fühlen. Die Ausstellungen sind ein wenig Ton- und Filzlastig, dafür ist das Publikum aber recht angenehm. Und nicht so laut. Abi Wallenstein habe ich auch vorbeiradeln sehen, passt schon zum Wendland…

Wir genießen den Kaffee unterm Sonnenschirm, das erste Bienengesummse überm Butterkuchen und die Rhabarberschorle. Die Töchter des Gastgebers helfen mit roten Wangen im Café aus. Sehr zwanglos ergeben sich Gespräche mit den ausstellenden Künstlern. Das Herumstromern im Garten – fast könnte man von Ländereien sprechen – führt zu kleinen, versteckten Fundstücken: Einer Hundehütte unter schweren Blütenästen, korrodierenden architektonischen Skulpturen, Feuerschalen auf Krebsbeinen.

Es ist eine ganz eigene Zwischenwelt, dort im Wendland. Mir gefällt’s – spätestens im nächsten Jahr werden wir wieder vorbeischauen… Wer nicht so lange warten möchte: Am 14./15. Juni und am 6./7. September 2008 können die „offenen Gärten im Wendland“ besucht werden. Ich glaube, da muss ich hin …

Himmelblau

Mein Beitrag zu Lübelner Mühle mit weiteren Fotos– Ich bin Kixka_Nebraska – auf Qype

3 Antworten zu “Zur kulturellen Landpartie ins Wendland

  1. Ton und Filz: Das ist schlimm.

  2. Ich sag‘ mal:
    Es gibt Schlimmeres.
    Wie einer meiner Lieblings-Qyper, Barnie, hier sehr schön beschreibt.

  3. Barnie… ja, der leidet offensichtlich unter der gleichen Räucherstäbchenallergie wie ich.

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