Archiv der Kategorie: Sightseeing

Von Wegen und Zielen

Es war nach sehr langer Wartezeit endlich soweit: Michaela von Aichberger aka @Frauenfuss stellte ihre “Ich male meine Follower“-Moleskine Bilder in Hamburg aus. Die Vernissage wurde im Stilwerk gefeiert. Schön gelegen, direkt am Fischmarkt, von dort aus kann fast in die Elbe gespuckt werden.

Problem: Ohne Auto leider ganz schlecht zu erreichen.
Die von mir um Hilfe angetickte Service Seite des HVV warf mir tatsächlich fünf unterschiedliche Routen aus, die alle Vor- und Nachteile hatten. Wegen des romantischen Aspektes (und der kürzesten Fußwege oder geringsten Anzahl an Umsteigenötigungen) entschied ich mich für die Kombination U-Bahn und Schiff.

An den Landungsbrücken wird zur Zeit offensichtlich umgebaut, von der U-Bahn aus ist nach der Verbindungsbrücke nirgends ein Schild mit irgendwelchen Linienhinweisen zu finden.

Tapfer Richtung Wasser, die Linie 62 liegt tatsächlich schon bereit an Brücke 3, die acht Minuten Wartezeit könnte ich auch im Warmen auf dem Schiff verbringen. Wer jetzt noch kein HVV-Ticket hat: Die gibts auch direkt an der Brücke im Automaten. Die Strecke zum Fischmarkt kostet preiswerte 1.30 €. Ein wahres Schnäppchen im Vergleich zu den Preisen, die ich vergangenen Herbst in Venedig erstaunt zur Kenntnis nahm: Weiterlesen

Pling Pling // Flanieren in Pop

Eyecandy, pure Farbpigmente, die die Zapfen der Sehnerven bis auf Äußerste reizen, ein perfekter Kontrast zum nieseligen Grau des Hamburger Novembers:

Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett: Flanierend durchquerten die Besucher im Zickzack sechs quadratische Räume, die vom Boden bis zur Decke hintereinander unterschiedlich monochrom  gestrichen sind.
Pur und reduziert bis auf je einen Bildschirm auf dem – dieselben Farben im Wechsel zu sehen sind.

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Estnische Gräber mit Blick auf mehr

So sonderbare Orte sucht man nicht auf,
man wird dorthin verschlagen.
Zum Beispiel auf der Suche nach Nahrung.

Jeder Individualreisende in touristisch wenig erschlossenen Gebieten wird die Situation kennen: Die letzte Ortschaft, in der ein Restaurant oder Café aufzutreiben gewesen wäre, liegt kilometerweit hinter den Reisenden.

Was dann folgt, ist das große Nichts.
Allerhöchstens geschlossene Stätten, an denen es zu anderen Uhrzeiten vielleicht etwas zu Essen geben mag, aber mit Sicherheit nicht jetzt, wenn es Dir, Fremder, danach verlangt.

Die estnische Küstenstraße entlang des Peipussees ist keine Gegend, in der sich Supermärkte finden lassen. Allenfalls kleine beschirmte Stände einheimischer Bauern, an denen Kartoffeln feilgeboten werden, sicherlich schmackhaft. Oder Zwiebeln. Noch mehr Kartoffeln und weitere Zwiebeln. Roh. Vielleicht noch rote Beete.

Die Hoffnung heißt Kallaste, ein Fischerort, 1.152 Einwohner.
Doch zu Essen findet sich um diese nachmittägliche Uhrzeit: Nichts.

Vielleicht war es ein Sonntag,
aber vermutlich nicht.

Dafür findet sich etwas anderes;
etwas, das den Hunger vergessen lässt.

Ein Friedhof mit Blick aufs weite Wasser.
Baumbestanden an roter Steilküste.
Russisch-orthodoxe Kreuze und Gräber,
fremd für den lutherisch-geschulten Blick. Weiterlesen

Mobilisierende Stadtmöblierung

Litfaßsäule von @Bosch

Die gute alte Zeit der Litfaßsäule ist vorbei; zumindest in Hamburg. So schrieb schon @Bosch, dessen wunderbares Foto ich zur Illustrierung benutzen darf.

fragwürdige Stadtmöbel #1

Das Nachfolgemodell ist nicht nur deutlich größer, sondern auch – mobiler. Es dreht sich und ist nachts beleuchtet. Allerdings dreht es sich nicht inwendig und das, was wie Glas aussieht, ist nur Plexiglas. Und wenn ich mich außen anlehne (was mir als Radfahrerin schon mal passiert), gerate ich nicht in Turbulenzen, aber die Umdrehung der Außenhülle erfordert gewisse Balanceakte, die bei den richtigen Litfaßsäulen nicht erforderlich waren.

fragwürdige Stadtmöbel #2

Es ist keine Entschuldigung, wenn die eingesetzte Werbung ansatzweise an der Umgebung ausgerichtet wird. Hier dient sie für mich eher als Größenvergleich. Das, was sich links neben der Ersatzsäule befindet, ist eine Telefonzelle (zuletzt von mir vor 8 Jahren benutzt) Auf diesem Bild befinden sich so gesehen drei fragwürdige Stadtmöblierungen. Wobei das Wort Möblierung natürlich ein reiner Euphemismus ist. Wer möbliert, macht sich normaler Weise ja Gedanken darüber, wie er sein Umfeld ausstattet. Hier wird selbst vor der Verschandelung von Gebäudeensembles aus der Schumacherzeit keine Rücksicht genommen.

fragwürdige Stadtmöbel #3

Doch fragwürdige Stadtmöblierungen finden sich überall in Hamburg verteilt.

Hier zum Beispiel.

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Auto Retro Future Trip

Es gibt sie noch, diese Momente blanken Entsetzens.

Wie letzten Montag. Mitten in der Ost-Westfälischen Wildnis, zweieinhalb Stunden Fahrt im Auto vor mir. Allein im Auto, meine Musik hören können, die sehr seltene Möglichkeit unkommentiert Mitzusingen, eigentlich ein Traum.

Doch das Entsetzen beginnt, als ich feststelle, Weiterlesen

Die poetischen Pools der Kosmonautin

Die Fotografin dieser Bilder ist berühmt. Nicht wegen ihrer Fotos. Sondern für mehrere Entscheidungen, die sie in ihrem Leben getroffen hat. Wer kommt – wie sie – auf die Idee, für 3 Millionen $ ein Los für einen Raumflug am 25. März 2009 zu kaufen ? Sie lässt sich in Star-City bei Moskau als Astronautin ausbilden, für den Fall, dann einzuspringen, wenn der eigentliche Fluggast nicht teilnehmen kann. Dann kostet der Spaß nochmals so um die 35 bis 40 Millionen $ extra.

Indian Wildlife

Indian wildlife Photo by Esther Dyson

Wer kommt auf die Idee, seine kompletten Erbanlagen zu veröffentlichen ? Weiterlesen

Singing in a Box // Candice Breitz

Eingang der Temporären Kunsthalle Berlin

Der Kultur-Redaktion des SPIEGELS ist es zum Glück nicht gelungen, mich vom Besuch der Temporären Kunsthalle in Berlin abzuhalten: sollen doch die drei Videoinstallationen “Inner+Outer Space” von Candice Breitz bereits “schon in Mailand, Oldenburg und Hannover und sogar in London zu sehen gewesen” sein.*

Tja. Für den globetrottenden Kunst-Jet-Set ist es natürlich schon hart, dass die Künstlerin zur Eröffnung der Temporären Kunsthalle noch nicht ihr neuestes Werk “Him” zeigt - eine Dialog-Porträt-Videoarbeit mit 23 verschiedenen Rollen Jack Nicholsons aus vierzig Jahren.

Nicholson wird ab dem 28. November 2008 sicher auch klasse, aber ich bin in diesem Fall ganz ehrlich sehr dankbar, dass ich eher unvermutet zu einem der unterhaltsamsten Kunstgenüsse der letzten Zeit kam. Weiterlesen

Per Anhalter durch die Waschanlage

Update 20.5.2011:  Die Kiez Tankstelle soll abgerissen werden!
Hier geht es zur Gegenaktion bei Faceook!

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen:

Ich mag mein Auto.
Aber es ist mir nicht wichtig.
Ich fahre nicht oft, aber gerne und schnell, auch gerne sehr schnell, wenn die Umstände es zulassen.

Aber ich habe keine sonderlich emotionale Bindung an den Wagen, die mich regelmäßig in eine Waschstraße treiben würde. Das kommt höchstens alle zwei Jahre einmal vor und zwar vorm Zwangsbesuch des Technischen Überwachungs-Vereins.

Carwash Reeperbahn

Irgendwelche Umstände spielten mir kürzlich jedoch einen Gutschein in die Hände, so dass die Wagenwäsche für zwei Euro möglich war. Weiterlesen

In nuce: Der botanische Park auf der Isola di Brissago

Eine Weltreise in einer sonnigen Nußschale, was für ein besseres Antidepressivum kann es für angeschlagene Nordlichter geben?

Geburtstagsblick auf die Isole di Brissagio

Der botanische Park auf der südlichen Isola di Brissago ist perfekt dafür geeignet. Weiterlesen

Freiluftige Musenküsse: Wanas Slott in Südschweden

Einer meiner nicht mit mir groß gewordenen Kleinmädchen-Träume war der, eines Tages einen richtigen Zauberwald zu finden.

Nicht so einen “Märchenwald”, wie ich ihn als Kind häufiger mit meinem Vater aufsuchte, in dem entlang eines vorgegebenen Weges da und dort lebensgroße Laubsägefiguren aus dem Grimmschen Fundus herumstanden.

Tollende Trolle in Wanas

Sondern einen verzauberten Wald, im dem ich auf verschlungenen Pfaden lauter Schätze entdecken kann. Im dem es Pyramiden und Labyrinthe gibt, unendlich hohe Bäume, an denen Schaukeln hängen; die Erklimmbaren davon an Seilen, die gut zehn Meter von den Ästen herabhängen. Andere schweben unerreichbar in lichter Höhe. Es lassen sich mitten im Wald einsame Bänke finden, die – kaum Platz genommen – wie von Geisterhand anfangen zu wackeln. Weiterlesen