Die gute alte Zeit der Litfaßsäule ist vorbei; zumindest in Hamburg. So schrieb schon @Bosch, dessen wunderbares Foto ich zur Illustrierung benutzen darf.
Das Nachfolgemodell ist nicht nur deutlich größer, sondern auch – mobiler. Es dreht sich und ist nachts beleuchtet. Allerdings dreht es sich nicht inwendig und das, was wie Glas aussieht, ist nur Plexiglas. Und wenn ich mich außen anlehne (was mir als Radfahrerin schon mal passiert), gerate ich nicht in Turbulenzen, aber die Umdrehung der Außenhülle erfordert gewisse Balanceakte, die bei den richtigen Litfaßsäulen nicht erforderlich waren.
Es ist keine Entschuldigung, wenn die eingesetzte Werbung ansatzweise an der Umgebung ausgerichtet wird. Hier dient sie für mich eher als Größenvergleich. Das, was sich links neben der Ersatzsäule befindet, ist eine Telefonzelle (zuletzt von mir vor 8 Jahren benutzt) Auf diesem Bild befinden sich so gesehen drei fragwürdige Stadtmöblierungen. Wobei das Wort Möblierung natürlich ein reiner Euphemismus ist. Wer möbliert, macht sich normaler Weise ja Gedanken darüber, wie er sein Umfeld ausstattet. Hier wird selbst vor der Verschandelung von Gebäudeensembles aus der Schumacherzeit keine Rücksicht genommen.
Doch fragwürdige Stadtmöblierungen finden sich überall in Hamburg verteilt.
Hier zum Beispiel.
oder auch am anderen Ende dieser lieblichen Verkehrsinsel:
und:
Nein, auch zu anderen Jahreszeiten fotografiert macht sich dieser Unsinn nicht besser:
Richtig, im Hintergrund findet sich eine Telefonzelle der neueren Generation.
Was das Mülleimer-, Straßenschild-, Zellen-, Dingsbums-Ensemble nicht besser macht. Ich fühle mich als Bürgerin dieser Stadt da nicht nur ein kleines bisschen erschaukelt.
Update am 15. Juli 2009
Auf dem Weg zum Twittwoch kann ich meinen Augen kaum trauen: Nach Monaten ist das rote Rest-Dingens plötzlich vom Erdboden verschwunden:
Ganz ehrlich gesagt, kann ich sehr gut verstehen, dass es Menschen gibt, die unter diesen Umständen mobilisiert werden, diese Art von Stadtmöblierung etwas aufzupimpen:
Und dann stehe ich mal wieder radelnd an einer Ampel und rätsel vor einigen Wochen, was das jetzt wohl werden soll. Es passt auf den ersten Eindruck so hervorragend in meine ohnehin geplante Bild-Serie zur Stadtmöblierung:
Ja, ganz toll. Noch mehr Poller und nicht nachvollziehbare: Stadtverschandelung.
Doch hier handelt es sich tatsächlich mal um ein Projekt, dass ich als Allwetter-in-jeder-Kleidung-Radfahrerin kaum selber nutzen werde, es aber jedem Hamburg-Besuch nur ans Herz legen kann. (Mein Rad ist auf einem der Fotos oben abgebildet ;)
Das StadtRAD Hamburg Projekt
Ab morgen 10. Juli 2009 stehen 700 Stadträder an 68 Leihstationen in Hamburg bereit.
Die erste halbe Stunde ist kostenlos. Informationen, wie es im Einzelnen abläuft, gibt es hier. Empfehlenswert ist eine Anmeldung im Netz vor der ersten Buchung.
Die Anmeldung am StadtRAD Terminal ist etwas umständlich, so wird berichtet. BahnCARD und HVV-Jahreskarten-InhaberInnen profitieren von Sonderkonditionen.
Hier wird versucht, einen Teil der 1,1 Mio Euro, die Hamburg pro Jahr an die Deutsche Bahn als „Betreiberentgelt“ zahlt, wieder einzutreiben.
Das StadtRAD im Detail: der abgespacete Gepäckträger springt neben dem Rot besonders ins Auge. Großartig ist die Dichte der Standorte in der Innenstadt. Im kommenden Jahr sollen weitere 40 Stationen dazu kommen und die Zahl der Räder auf 1.200 erhöht werden.
Klingt nach einer guten Sache, ich freue mich auf erste Erfahrungsberichte!

Die Standorte der Stadträder in der Hamburge Innenstadt.



















7 Antworten bis hierher ↓
lakritze // 10. Juli 2009 um 09:40
Elegante Kurve von der Säule zum Rad. :)
Schön bebildert!
Markus Merz | Hamburg St. Georg // 10. Juli 2009 um 19:28
Bin ebenfalls total begeistert von der, meines Erachtens gradlinigen, Bildstrecke ‘vom Poller zum Poller’ :-)
wassily // 10. Juli 2009 um 22:38
Mit etwas Übung und der entsprechenden Ortskenntnis kannst Du es schaffen, den ganzen Tag Rad zu fahren … ohne einen Cent bezahlen zu müssen.
kormoranflug // 12. Juli 2009 um 09:02
Tolle Fotos wie immer. 1 Stunde Fahrrad umsonst finde ich ganz gut.
HaikuKamikaze // 21. Juli 2009 um 13:03
ER hat mich gezwungen, eines dieser Stadträder zu nehmen. Ich hab es nicht bereut. Die Räder fahren sich ganz fabelhaft. Schön war natürlich, dass ich als Frankfurter Leserin Deines Blogs schon bestens informiert war, bevor ER mir aus Hamburg davon berichtete:).
Werden die Dinger Winters wieder eingepackt und was ist nun mit den klassischen DB-Rädern?
Kixka // 21. Juli 2009 um 15:04
Das freut mich nicht nur in den Stunden des stillen Zweifels an der Sinnhaftigkeit des Blogschreibens, dass ich zumindest einen kleinen Beitrag zur Stabilisierung von Fernbeziehungen leisten konnte.
(Stabilisierung, weil ER doch sicher sehr stolz auf seine weltläufig interessierte und kenntnisreiche Freundin ist.) Ich bin hingegen nicht sonderlich kenntnisreich, was die Winterverwahrung angeht. Ob die tatsächlich wie die Schwäne auf der Alster eingelagert werden?
HaikuKamikaze // 21. Juli 2009 um 15:21
Ganz genau, Kixka. Er fand es sehr großartig, dass ich jeden seiner Sätze, die mit“ Stadtrad“ begannen für ihn beendete, weil ich so weltläufig, interessiert und kenntnisreich bin. Hm-m-m. :) Ich konnte zum Glück alles auf Dich schieben.