Wenn zwei Tage vor Karfreitag die Waschmaschine mit lautem Todesgedröhn verreckt und der freundliche Herr der Firma, die früher noch wußte, was Frauen wünschen, am Mittwoch darauf für ganze 78,- € trocken feststellt, dass für eine Reparatur der sieben Jahre alten Maschine 280,- € investiert werden müssten: nun gut. Shit happens.(und ich weiß, welche Marke ich nicht wieder kaufen werde :P )
Es sammelt sich bei drei Männern und mir in der Zwischenzeit bis zur neuen Maschine nicht ganz unerwartet ungewaschene Wäsche an. Mengen, die es nicht zulassen, bei den wirklich ausgesprochen freundlichen Nachbarn um Hilfe zu bitten. So ergibt sich die Gelegenheit zu einem Déja vu: Auf zum Waschsalon. Dort gibt es sogar Maschinen, die 12 Kg Wäsche auf einmal nehmen. Und nur eine halbe Stunde brauchen sollen, bis alles wieder sauber wird.
Den Traum vom wunderbaren Waschsalon habe ich schon vor über zehn Jahren ausgeträumt. Mein erster Job nach meinem Examen hat mich nach Berlin gelotst, wo ich anfangs in der Willibald-Alexis-Straße residierte. Alleine, nach langen WG-Jahren. Die Vermieterin verliebt, verlobt, verheiratete sich irgendwo in den Süden. Mein kleines Kreuzberger Glück erstreckte sich über zwei Etagen: schmal, aber eben, viel wichtiger als Größe: Meins.
Leider ohne Waschmaschine, was mich häufiger als mir lieb war, dazu zwang, mit Sack und Pack nach der Arbeit in die Bergmannstraße zu wandern. Ein prosaischer Ort ohne viel Romantik. Fahles Neonlicht, lackiertes Metall. Linoleumboden ? Oder waren es Fliesen ? Von reizvollen Männern oder Frauen fehlte jede Spur. Überhaupt habe ich nicht in Erinnerung, dort viele Menschen angetroffen zu haben. Die meisten überließen ihre Wäsche sich selbst und streunten wieder auf die belebte Bergmannstraße.
Ich verzog mich meist in eines der nahen Restaurants, selbst zum Lesen war mir dieser Waschsalon kein Ort, das mochte ich keiner Lektüre antun. Einen Moment urbaner Großstadtmystik erinnere ich nur, als im Winter Schneeflocken vom Neonlicht erleuchtet vor den großen Fensterscheiben herumtänzelten. Ein bizarres Ballett zum Sound der beschleunigten Wäschetrommeln und dem Chor der rotierenden Schleudern.
Irgendwann, Jahre später, las ich ich davon, dass dort hinter den Waschmaschinen inzwischen Wein verkauft und verkostet wird. Woanders werden Cafés in Waschcentern eingerichtet oder Parties gefeiert. Wenigstens über freies WLAN sollten die Inhaber mal nachdenken. Gerade hier in Hamburg, wo es so wenige Orte gibt, an denen es zur Verfügung steht.
Andererseits: Ich hätte vermutlich nicht widerstehen können und die üblichen Seiten an- und abgeklickert, statt diesen Text zu schreiben.

Manchmal hat fehlendes WLAN auch was für sich.







16 Antworten bis hierher ↓
Qu // 16. April 2009 um 22:53
Wenn zwei Tage vor Karfreitag die WaMa laut verreckt und der Herr der blöden Firma, 78 Euro wegsteckt… jajaja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…
Und ein Blog Beitrag geschrieben :)
Auf Pauli wird gerade ein Waschsalon entgrätet. In der Hein-Hoyer Straße. Fotos wert. Deine sind auch sehr schön.
Bei mir steht übrigens eine im Keller. Für nen Euro biste dabei. ;) Allerdings keine 12 kg und der Trockner is kaputt.
Kixka Nebraska // 17. April 2009 um 14:29
Fotos eines entgräteten Waschsalons auf St. Pauli: ich hoffe, du bist dabei !?
Wir werden schon morgen erlöst von den weiteren Schmutzwäschebergen, wir setzen auf ein neues slowenisches Modell, das irgendwann mal sehr teuer war und jetzt auf bezahlbar reduziert wurde.
joulupukki // 17. April 2009 um 15:37
Ein slowenisches Waschmaschinenmodell? Warum bloß hab ich gerade schwarze Katzen und weiße Kater vor meinem geistigen Auge? Muss an min 5:48 meines Lieblingswerks Kusturicas liegen ^^ … Also: Viel Glück!
Ich mag die Optik der Waschsalon Bilder – industrialisierte Einsamkeit. Hat was!
drikkes // 17. April 2009 um 17:38
Jahrelang habe ich als Student in Bochum meine Wäsche in den Waschsalon Nordring/Kortumstraße geschleppt. Das ist zu der Zeit gewesen, als ich noch kein Notebook besessen habe.
Allein, zum Lesen sogar schlechter Bücher ist dieser Salon ein zu unwirtlicher Ort und so habe ich nach dem Starten der Maschinen die Kreuzung überquert, um mich gegenüber im wenig (aber immerhin etwas) einladenden „Brück 1/4 Treff“ auf ein paar Seiten, Kippen und Biere niederzulassen.
Der Wirt ist immer derselbe gewesen, die Gäste haben ebenfalls kaum variiert. Wenn nicht gerade die Formel1 ihre Runden gedreht hat, dann der RTL Oldie-Sender im Radio. Die Kaschemme macht auch heute noch morgens um 8h auf und schließt ihre Pforten um 20h, eine Säufertränke für Hartzer.
Ich bin dort schon als Fremdkörper wahrgenommen worden – ein Student mit Lektüre. Trotzdem habe ich es immer anheimelnd gefunden, nach ein paar Besuchen und den jeweils ersten drei Bieren dem Mann hinter der Theke sagen zu können: „Volker, mach mir noch ein Fiege, ich geh’ mal eben rüber, die Klamotten von der Maschine in den Trockner packen.“ Er hat nur „Jupp!“ gesagt und wenn ich zurückgekommen bin, dann hat das frisch Gezapfte schon neben meinem aufgeschlagenen Buch auf dem Kneipentisch gestanden.
Kixka Nebraska // 17. April 2009 um 18:25
@joulupukki Der Witz ist, dass die Slowenier tatsächlich ein schwarzes Modell anbieten.
Und Danke für Eure Kommentare zu den Fotos. Die Kamera war defekt und hat mir die zehn Tage richtig gefehlt (re:publica !)
Daher war das der erste Einsatz danach – alles wieder in Ordnung…
@Drikkes Deine Studienzeit muss aber einiges her sein, oder ? Die zwöf Kilo Maschine hat nämlich tatsächlich nur eine halbe Stunde für meine Wäsche benötigt. In der Zeit drei (!) gut gezapfte Bier zu schaffen… öhm, Respekt. Oder waren das Kölsch in diesen schmalen Gläschen ?
lakritze // 17. April 2009 um 19:55
Kixka, schön, irgendwie. Und die Fotos sind klasse: Waschsalons (außer dem von Freddy Leck) scheinen bundesweit gleich auszusehen. Die Rollen an diesen Körben sind wahrscheinlich das Schlimmste, was jemals zu Transport oder Fortbewegung erdacht wurde.
Qu // 17. April 2009 um 20:11
Gab’s für die Neue wenigstens ne Abwraschprämie?
Ich hab überhaupt keine Waschsalonerinnerungen. Für mich sind Waschmaschinen der personifizierte Klotz am Bein, der Untergang der Unabhängigkeit, der Gegenstand, der dann eben nicht mehr in den Golf gepasst hätte bei einer überstürzten Flucht. Darum war ich auch so froh, dass bei mir eine im Keller steht und ich wieder mal drum rum gekommen bin, eine zu kaufen. Denn die Faulheit hätte natürlich über die Paranoia gesiegt :)
drikkes // 17. April 2009 um 21:08
Es ist tatsächlich schon vier Jahre her, wie ich jetzt beim Nachrechnen ein wenig erschreckt feststellen muß, daß ich die Uni als Magister verlassen habe. Aber die alten Maschinen haben damals eine gute Dreiviertelstunde gebraucht. Vielleicht sind es vor dem Umpacken manchmal auch nur zwei Biere gewesen, meine Erinnerung ist da unzureichend.
Ein Notebook (siehe genau Dein Photo) besitze ich – trotz des etwas großspurig bis nostalgisch klingenden Kommentareinstiegs – erst seit wenigen Wochen.
@Qu
So habe ich das auch immer gesehen, aber wer schlägt schon die angenehmen Nebeneffekte des Zusammenziehens aus…
Qu // 17. April 2009 um 21:17
@drikkes Natürlich! Ich hatte ja immer nur Glück und Mitbewohner, die eine besaßen… Dafür hab ich seit Weihnachten ein Bügeleisen, seit Ostern auch noch ne Moulinex Küchenmaschine und seit zwei Jahren keinen Golf mehr für die gemeinsame Flucht. Man könnte also sagen, ich sei reif für eine WaMa. :)
Kixka Nebraska // 17. April 2009 um 22:04
@Qu Abwrackprämie ? Nö. Da hat sich meine Paranoia vor sich türmenden Wäschebergen und quasi unmittelbar bevorstehenden Zwangseinkäufen von frischer Unterwäsche für die Knaben durchgesetzt. Dafür habe ich eben auf http://Auftragstermin.de ermitteln können, dass wir doch nicht, wie befürchtet um 7:00 Uhr aufstehen müssen, sondern die Herren erst zwischen 8:15 und 10:15 Uhr hier anrücken. Hach. Immerhin.
*Mein* Bügeleisen steht im übrigen seit ungefähr 1995 ziemlich unbenutzt im Schrank. Es wird eigentlich nur zu sehr hohen Anlässen aktiviert. :)
wassily // 18. April 2009 um 19:00
Also mal ehrlich:
Ich will dir ja nicht ständig Ärger mit deinen Elektrogeräten wünschen – aber wenn dabei so schöne Geschichten rauskommen…
Qu // 19. April 2009 um 16:56
R.I.P.
Traurige Kolleginen der kixkalogisch Abgewrackten: http://twitpic.com/3lksd
Entgrätete Waschmaschinen im Stillstand vor der Wende. Ausgedreht.
moeffju // 21. April 2009 um 07:11
Ich habe bisher – mich selbst eingeschlossen – erst drei Leute getroffen, die im Waschsalon auf ihre Wäsche gewartet haben. Weder Totholz-Bücher noch Notebooks sind aber wirklich gut geeignet. Wenn ich ein Geschäft betreiben würde, wo die Leute normalerweise einige Zeit warten würden, könnte man doch wenigstens halbwegs bequeme Sitzmöglichkeiten aufstellen, oder? Oder eben Waschsalon und Café kombinieren, oder sowas.
Statt dessen habe ich mir dann endlich eine Waschmaschine angeschafft. Made in Turkey, zu einem Preis, der kaum über dem dir genannten Reparaturpreis (ohne die 78€) liegt. Und jetzt hab ich endlich meinen Wasch“salon“ mit bequemen Stühlen, Sesseln, Sofas, Sitzsäcken, Betten, Badewannen, Kaffee, Tee, und WLAN. Da ist es dann auch ok, dass nur 6kg auf einmal gewaschen werden können.
funkygog // 22. April 2009 um 23:27
Der Waschsalon sieht aus wie in der Gärtnerstr. in Hamburg (Hohe-Luft). Treffer? Schöne Fotos, mir haben die Infotafeln gefallen mit der dicken WaMa.
Kixka Nebraska // 23. April 2009 um 17:24
Fast Hoheluft. Es ist der Waschsalon in der Grindelallee, in der Nähe der Uni.
funkygog // 23. April 2009 um 21:02
Knapp daneben! Anbei ein Link damit Du die nette Infotafel mal sehen kannst:
http://blog.funkygog.de/wp-content/uploads/2006/08/waschmaschine-ueberfuellt.jpg