High Expectations – sehr schnell gehe ich mit gemischten Gefühlen aus Konzerten heraus, bei denen ich zuviel erwartet habe.
Anja Plaschg ist es am 25. März auf Kampnagel allerdings gelungen, mir nicht nur meine Nackenhärchen aufzustellen und Gänsehaut von meinen Unterarmen bis zum Bauchnabel hervorzurufen. Großartig. Schüchterne Girlsm-Publikumskontaktscheu hin oder her. Das, was diese Frau macht und wie sie es macht, ist einfach umwerfend, entwaffnend überzeugend.
Die 18-jährige, die an diesem Abend ganz in Schwarz die Bühne betrat, könnte von der Optik und vom Habitus her sehr gut die Tochter von Tim Burton und Helena Bonham Carter sein.
Düster, elegisch, Alma Mahler-Werfelesque ist schon das Cover ihres Albums Lovetunes for Vacuum – einen Tag nach dem Konzert auf einem erstaunlichen Rang 28 der Verkaufscharts bei Amazon. Erstaunlich, weil die Musik der Grazerin alles andere als eingängig ist.
Dunkel, melancholisch, die Stimme in einer Bandbreite von säuselnd bis kurz vorm Brüllen. Tief, sehr viel tiefer, als ich es bei einer so jungen und zarten Frau erwartet hätte. Alles zarte fällt allerdings in dem Moment von ihr ab, wenn sie sich in die Musik versenkt und mit der ihr eigenen Intensität die Tasten anschlägt, schneller und schneller wird.
Ihre Stimme in Kombination dazu, nicht zu glatt und gefällig, an einigen Stellen sehr markant und rau. Das ist kein Einschmeicheln, das ist Abstand halten: bleib draußen Welt. Ein weiterer Bruch ist ihr Sound vom Laptop, vom Fiepen, rhythmischen Beschleunigen bis zum Bienensummen und Vogelgezwitscher ist alles dabei.
Sie spielt mit Bildern der Vergangenheit, mit den Bildern im Kopf der Zuschauer. Wenn sie sich zum Abschluß vom Flügel und Laptop entfernt – hinten herum und erst im letzten Moment ans Standmikrofon vorne am Bühnenrand tritt und ihren Raum im gleißenden Lichtkegel einnimmt. Dann ist die Optik eher bei Juliette Greco, die Augen schwarze Höhlen, die Haut nur noch weiß. Eine Lichtgestalt auf schwarzer Bühne, die alterslos Brücken zwischen Jahrzehnten schlägt.
Hier ein weiterer Eindruck des Abends.
… und hier die Fotos von Stefan Malzkorn von dem Konzert






6 Antworten bis hierher ↓
lokalreporter // 27. März 2009 um 19:17
habe gestern in den tagesthemen einen bericht über den [mittlerweile vielbeachteten] auftritt der landsmännin gesehen. könnte ein enkelkind der alma mahler-werfel sein..
Kixka Nebraska // 27. März 2009 um 19:23
… das wäre wohl eher die Ur-Ur-Enkelin…
joulupukki // 27. März 2009 um 19:24
Alma Mahler Werfel – bloß nicht! Mehr als ein gut in Szene gesetztes Groupie war die doch auch nicht.
Sehr schöner Bericht, Kixka! Hier gibts übrigens die komplette FM4 Studio Session von 2007 mit Soap & Skin, damals noch süße 17, zum Downloaden:
http://www.divshare.com/download/4755850-f61
joulupukki // 27. März 2009 um 19:27
Ach ja, und auf ihrer MySpace Seite gibts auch ein paar Tracks zum reinhören:
Kixka Nebraska // 27. März 2009 um 19:37
Danke für die Links, Joulu!
Die Haltung oder das Leben von Alma Mahler-Werfel meinte ich allerdings gar nicht – nur die optische Inszenierung :)
lokalreporter // 27. März 2009 um 19:37
urur-enkelin aus genetisch nicht uninteressanten gen-poolitäten..